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Paradigmen der Kunstbetrachtung

Aktuelle Positionen der Rezeptionsästhetik und Museumspädagogik

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Edited By Peter J. Schneemann

Die vorliegende Publikation analysiert aktuelle Modelle der Kunstbetrachtung. Welche Vorstellungen einer idealen Beziehung zwischen Werk und Rezipienten haben sich als Leitbilder erwiesen? Erstmalig wird eine Differenzierung der von den jeweiligen Protagonisten verfolgten Interessen geleistet. In welchem Verhältnis stehen künstlerische und institutionelle Zielsetzung der Betrachterführung?
Die Beiträge internationaler Experten verfolgen künstlerische Konzeptionen ebenso wie Projekte der Vermittlung und methodologische Implikationen einer Kunstwissenschaft, die sich auf die Rezeptionsästhetik beruft.
Durch Fallstudien und pointierte Diskussionen wird die Tragweite der Fragestellung deutlich: Welche Freiheit wird der Figur des Betrachters zugebilligt, der doch als konstitutive Instanz für den Kunstbegriff so mächtig zu sein scheint?
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Instruktion und Erfahrungsproduktion. Aernout Mik im Stedelijk Museum

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NINA ZSCHOCKE

Training Ground

Beim Betreten der Einzelausstellung von Aernout Mik im Untergeschoss des Stedelijk Museums im Juli 2013 denke ich über zwei kurz zuvor im Zug nach Amsterdam gelesene Texte nach.1 Darin enthaltene Aussagen des Künstlers scheinen miteinander in Widerspruch zu stehen. In einem 2004 mit Antje von Graevenitz geführten Gespräch sagte Mik, ihm gehe es um jene Momente, in denen das eigentlich Menschliche durch achtloses oder tagträumendes Verhalten, durch Handlungen ohne Willensanstrengung, Grund und repräsentativen Charakter zu Tage trete. Ziel- und Erfolglosigkeit interessiere ihn.2 Dem gegenüber steht Miks Interesse an der instruierten Übung, am Training als fiktives und doch zielorientiertes Verfahren, das er mit Maria Hlavajova 2007 anlässlich seines Beitrags für den niederländischen Pavillon in Venedig diskutiert.3

Die Formensprache des neuen Museumsflügels der Architekten Benthem Crouwel noch vor Augen frage ich mich außerdem, was ›futuristisch‹ im Jahr 2013 bedeuten kann. Aernout Miks Videoinstallation Training Ground (2006) (Abb. 1) jedenfalls, auf die das Gespräch mit Hlavajova Bezug nimmt, zeigt wenig optimistische Szenen der Vorbereitung einer Gesellschaft auf eine als bedrohlich vorgestellte, globale demografische und ökonomische Entwicklung. Laienperformer in wechselnden Rollen und Formationen improvisieren ein imaginäres Training von Polizeibeamten im Umgang mit Flüchtlingen und illegalen Immigranten. ← 207 | 208 → Zumindest vordergründig thematisiert diese Arbeit nicht die Abwesenheit planvoller Handlung, sie experimentiert mit der Übung als Inszenierung und Vorwegnahme von Zukünftigem. Dem politisch instrumentalisierten Streben danach, auf ein...

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