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Naturkunde im Wochentakt

Zeitschriftenwissen der Aufklärung

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Tanja van Hoorn and Alexander Košenina

In der Aufklärung wird umfassende Bildung über den Menschen, die Welt und die Kultur gefordert. Wissen über Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Geologie oder Meteorologie vermitteln – vor der rasanten fachlichen Spezialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere Zeitschriften.
Seit etwa 1750 konkurrieren auf dem Buchmarkt unterschiedlichste Periodika – vermischte Magazine, Rezensionsjournale, Moralische Wochenschriften –, die in Fachstudien, populären Essays, Lehrgedichten oder fiktionalen Erzählungen naturkundliche Inhalte an eine nicht minder vielfältige Leserschaft vermitteln. So entsteht eine populäre, öffentliche Akademie der Natur für das interessierte Bürgertum.
Der vorliegende Band sondiert dieses noch weitgehend unerschlossene Feld naturkundlichen Zeitschriftenwissens des 18. Jahrhunderts.
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Gattungen, Nachbarschaften, Profile: Textsorten und Platzierungen periodischer Naturaufklärung: Tanja van Hoorn

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Dass Zeitschriften den Wissenschaften einen neuen kommunikativen Raum eröffnen, betonen schon die Verfasser des 1790 erschienenen Allgemeinen Sachregisters über die wichtigsten deutschen Zeit- und Wochenschriften. Johann Heinrich Christoph Beutler und Johann Christoph Friedrich Guts-Muths unterscheiden zwei Tendenzen: Erstens seien durch die Periodika „die Gelehrten selbst […] in nähere Verbindung“ gekommen (was, da sie schneller von den Ergebnissen anderer Fachgelehrter erfuhren, einen Boom der Wissenschaften bewirkt habe).1 Zweitens hätten die Zeitschriften einem breiteren Publikum Zugang zu den Wissenschaften eröffnet:

Durch die Zeitschriften wurden die Kenntnisse, welche sonst nur das Eigenthum der Gelehrten waren, und in Büchern aufbewahrt wurden, die der größre Theil der Nation nicht verstand, nicht lesen konnte, und nicht lesen mochte, diese Kenntnisse der Gelehrten wurden durch die Zeitschriften allgemein in Umlauf gebracht.2

Die aufklärerischen Periodika gelten also bereits Beutler und Guts-Muths als ein Motor der Spezialisierung und der Popularisierung – ein Gedanke, an den spätere Forschungen angeknüpft haben.3 ← 13 | 14 →

Zugleich sind die Zeitschriften der Aufklärung aber auch literarische Orte, die mit neuen Darstellungsformen arbeiten und poetische Texte präsentieren. Seit den Moralischen Wochenschriften liebt das 18. Jahrhundert die literarischen Journale – eine Liebe, die, wie Wolfgang Martens gezeigt hat, aufgrund des offensiven Unterhaltungs- und Moralisierungsanspruchs der Wochenschriften immer auch eine Hassliebe war.4 Während die Herausgeberfiktionen ein Charakteristikum der Moralischen Wochenschriften sind, wird das Spiel mit realen oder fingierten Leserbriefen und die Inszenierung empfindsam-gelehrter Geselligkeit auch von Zeitschriften anderen Typs übernommen. Hier druckt...

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