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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Historische Biographik als „wahrer Roman“: Golo Manns Wallenstein-Erzählung

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Arthur Schlegelmilch

Zum aktuellen Selbstverständnis der historischen Biographik

Der Begriff „Biographie“ geht auf das altgriechische Substantiv „bios“ für „Leben“ bzw. auf das Verb „graphein“ für „einritzen“, „zeichnen“, „schreiben“ zurück. Damit macht allein schon die Wortverbindung klar, worum es geht und welches Grundproblem sich stellt: Eine nachträgliche textliche Darstellung von gelebtem Leben kann nie identisch mit dem gelebten Leben selbst sein.

Dass Vergangenheit nicht deckungsgleich beschrieben werden kann, gilt im Grunde für jede Form der historiographischen Darstellung. Denn stets handelt es sich um die Auswahl, Formung und Bewertung zurückliegenden Geschehens aus der Perspektive der Gegenwart – kurz: um Vergegenwärtigung von Vergangenheit. Zudem gilt es zu bedenken, dass alle auf Erinnerung beruhenden Quellen der Geschichte schon bei ihrer Entstehung den Einschränkungen menschlicher Wahrnehmung, Verarbeitung und Darstellung unterliegen und damit Einflüssen ausgesetzt sind, die möglicherweise durch die historische Quellenkritik nicht vollständig erfasst werden können.1

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