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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Lebensläufe über Grenzen. Zur Transnationalisierung der Biographik

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1

Hannes Schweiger

Einleitung: Grenzüberschreitung als Herausforderung der Biographik

Der Nationalstaat, der sich über inneren Zusammenhalt und äußere Abgrenzung definiert, blendet mit seinem existentiellen Bedürfnis nach Helden und Schurken alle anderen, differenzierteren Darstellungen aus. Im Mausoleum des Nationalstaats sind Künstler, Philosophen und Wissenschaftler als Büsten um den Sarkophag des nationalen Erbes versammelt. Draußen tauschen sich einzelne und Gemeinschaften intensiv aus, als Teile einer lebendigen Kultur, einem innovativen Vermischen der Formen, bei dem alles zusammenfließt. So war Kultur schon immer und ist sie bis heute.2

In ihrem programmatischen Text zu kulturellen Transferbeziehungen und Vernetzungen über nationalstaatliche, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zeigen Ilija Trojanow und Ranjit Hoskoté, wie sehr die Kulturgeschichte Europas von Austausch und Vermischung bestimmt ist. Dabei heben sie immer wieder jene Akteure und Akteurinnen hervor, die in Transferbeziehungen Motoren kultureller Hybridisierung waren, und folgen ihren Spuren, die ein nationalstaatlich fokussierter Blick übersieht. Sie bewegen sich und vermitteln zwischen Räumen, die als politisch, kulturell und sprachlich different wahrgenommen werden. ← 159 | 160 →

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