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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Frontverläufe. Biographische Darstellungen John Miltons als politische Stellungnahmen im englischen 18. Jahrhundert

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Kerstin Maria Pahl

Ein verbreitetes Phänomen in intellektuellen Kreisen Englands im 18. Jahrhundert war die Inanspruchnahme John Miltons und seines Opus Magnums „Paradise Lost“ als Kommentar zur aktuellen politischen Situation – ein Phänomen, das sich insbesondere während der Französischen Revolution zu einem Debattenmodell entwickelte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etablierten sich biographische Darstellungen John Miltons als diskursive Sphäre, innerhalb derer erstens eine implizite Meinung zur konkret-aktuellen politischen Lage geäußert und zweitens universelle ethische und politische Betrachtungen angestellt werden konnten. Kurz: Die Biographien John Miltons dienten, so die These dieses Aufsatzes, der Markierung politischer Fronten und zogen aus dieser Funktion der politischen Stellungnahme ihre Legitimation.

Anhand von drei biographischen Darstellungen zu John Milton – Samuel Johnsons „Life of Milton“ von 1779, William Hayleys „Life of Milton“ von 1791 bzw. 1794 und George Romneys Gemälde „Milton and his Daughters“ von 1793 – wird im Folgenden die Verwendung von bestimmten Motiven zur Stellungnahme und Positionierung im politischen Diskurs dargelegt. Einleitend soll zunächst Milton im Kontext der englischen Publizistik zur Französischen Revolution verortet werden.

„of the devil’s party“: Milton und die Revolution

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