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Der Konjunktiv im Schweizerdeutschen

Empirische Studien zu Stabilität und Wandel im deutschen Modussystem

Michael Wilde

Der schweizerdeutsche Konjunktiv kann sich besser gegen den Indikativ behaupten als der standarddeutsche, dessen Formen vielfach mit denjenigen des Indikativs zusammenfallen. Häufig hat man darin den Grund für die besondere Vitalität des schweizerdeutschen Konjunktivs gesehen. Doch wie lebendig ist er in der aktuellen Sprachverwendung wirklich? Welche räumlichen Gliederungen innerhalb der schweizerdeutschen Dialektlandschaft ergeben sich im Zusammenhang mit dem Konjunktiv? Wie unterscheidet sich sein Formen- und Verwendungsspektrum von dem des standarddeutschen Konjunktivs? Welche Rolle spielt die analytische Bildung des Konjunktivs Präteritum und welches Hilfsverb wird dafür verwendet? Diese und weitere Fragen werden auf der Basis selbsterhobener Daten diskutiert.
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12 Zusammenfassung und Ausblick

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Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung war die Feststellung, dass ein nicht geringer Teil der Diskussionen um den gegenwartssprachlichen deutschen Konjunktiv Diskussionen um seine Formen sind: Da sie gegenüber den Indikativformen vielfach schlecht oder gar nicht abgegrenzt sind, werden sie ersetzt, vermieden, repariert. Auch wenn mit dieser Auffassung Probleme verbunden sind – etwa, da viele Formen des Konjunktiv Präsens in der 3. Person Singular stehen, wo die Unterscheidbarkeit vom Indikativ immer gewährleistet ist –, erscheint doch eine Beschäftigung mit dem Konjunktiv in einer deutschen Varietät, in der durchgängig distinkte Konjunktivformen gebildet werden können, als spannender Vergleichsfall. Durch die Konjunktiv-Präsens-Verwendung etwa in der indirekten Rede wird die Modussetzung im Schweizerdeutschen als „korrekter“ angesehen als im Standard. Was das Präteritum angeht, so verfügen die schweizerdeutschen Dialekte über kein Indikativ Präteritum mehr. Das Faszinosum des Schweizer Konjunktivs besteht daher darin, dass sich präteritale Konjunktivformen unabhängig von einer indikativischen Basis bewegen können, etwa indem sich starke Verben von den historischen Ablautmustern lösen und auf einen einheitlichen Konjunktiv-Präteritum-Vokal zusteuern. Solche Veränderungen beweisen die Vitalität des synthetischen Konjunktivs Präteritum, der im Standard – so die gängige Einschätzung – abgesehen von einigen unregelmäßigen und starken Verben einen schwachen Stand hat und durch die analytische Bildung oder Indikativ ersetzt wird.

Die vorliegende Untersuchung verstand sich als empirische Überprüfung dieser Annahmen. Dabei wurde v. a. auf selbsterhobene elizitierte Daten zurückgegriffen, außerdem erwies sich das SADS-Material vielfach...

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