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Den Himmel öffnen …

Bild, Raum und Klang in der mittelalterlichen Sakralkultur

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Edited By Therese Bruggisser-Lanker

In seiner ersten Übersetzung der Artes-liberales-Enzyklopädie des Martianus Capella hat Notker der Deutsche aus dem Kloster St. Gallen um das Jahr 1000 festgehalten, dass die freien Künste dem Menschen den Himmel öffnen. Zu ihnen gehörte auch die Musik, die ihren letzten Sinn aus der Analogie zur vollkommenen Harmonie der zahlhaften Struktur des Kosmos bezog, dem konstitutiven Prinzip absoluter Schönheit und Ausgewogenheit. Im Akt des anagogischen Aufstiegs zur höchsten und innersten Wahrheit – ausgehend von der Wahrnehmung im Sinnesvermögen – prägte sich in der Meditation der göttlichen Geheimnisse im inneren Hören und Sehen ein Ethos aus, das als Seelenbildung den ganzen Menschen erfassen sollte. Die künstlerischen Ausdrucksformen dienten dazu, unter Wahrung der Transzendenz dem Göttlichen eine mediale Präsenz im Diesseits zu verleihen, die sich in der Ästhetik des Ritus wie der Architektur und Ausstattung der Kirche verdichtete. Dieser Bedeutungsraum der Andacht spiegelt das geistige Sinngebäude des Mittelalters, das sich vom Irdischen zum Himmlischen weitet und das Erschaffene auf das Ewige hin transparent macht.
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THERESE BRUGGISSER-LANKER

Therese Bruggisser-Lanker studierte Musikwissenschaft, Mittelalterliche und Neuere Geschichte. Nach der Promotion 1999 zur Musik und Liturgie im Kloster St. Gallen habilitierte sie sich 2008 an der Universität Bern mit der Schrift Musik und Tod im Mittelalter – Imaginationsräume der Transzendenz (2010). Seit 2011 wirkt sie als ständige Lehrbeauftragte am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich.

WOLFGANG FUHRMANN

Wolfgang Fuhrmann studierte Musikwissenschaft und Germanistik in seiner Geburtsstadt Wien und hat viele Jahre als freier Musikpublizist und Musikwissenschaftler gearbeitet. Seit 2010 ist er Assistent für Historische Musikwissenschaft an der Universität Wien; 2013/14 vertritt er den Lehrstuhl für Musiksoziologie und Historische Anthropologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Promotionsschrift Herz und Stimme. Innerlichkeit, Affekt und Gesang im Mittelalter, publiziert 2004, eröffnete eine neue Sicht mittelalterlicher Musikanschauung.

JENS RÜFFER

Jens Rüffer studierte Kulturgeschichte, Ästhetik, Kunstgeschichte und Philosophie in Berlin und York. Die Promotion erfolgte mit einer Studie zur ästhetischen Kultur der Zisterzienser an der Humboldt-Universität zu Berlin, die Habilitation im Fach Kunstgeschichte an der Universität Bern mit einer Arbeit zur baugebundenen Skulptur im Mittelalter. Schwerpunkte sind mittelalterliche Architektur und Bauskulptur, Wahrnehmung und Ästhetik. 2009 veröffentlichte er den kommentierten Bildband Mittelalterliche Klöster. Deutschland – Österreich – Schweiz.

GABRIELA SIGNORI

Gabriela Signori studierte Geschichtswissenschaft, Romanistik und Philosophie in Basel, Genf, Lausanne und Paris. Von 2001 bis 2006 lehrte sie Geschichte des Spätmittelalters und der historischen Hilfswissenschaften an...

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