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Die Stimme der Vernunft?

Menschenrechtssprache als Teil des Politischen während des Ost–West-Konflikts, 1961–1973

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Thomas Werneke

Wie wurden Menschenrechte zum erfolgreichen Bestandteil politischer und ideologischer Argumentation während der 1960er und 1970er Jahre? Zur Beantwortung dieser Frage untersucht das Buch die Verwendungsweisen von Menschenrechtssprache in der professionellen Sphäre der Politik. Die westliche Integrationszone steht hierbei im Zentrum der Untersuchung, welche die Verwendungsweise von Menschenrechtssprache in politischer Argumentation auf drei Ebenen analysiert: Topoi, Argumente, performative Sprechakte.
Drei historische Ereignisse liefern die Grundlage für die semantische und rhetorische Untersuchung von Menschenrechtssprache im Kalten Krieg. Der Vietnamkrieg dient als Langzeitereignis. Er wird durch den Berliner Mauerbau im August 1961 und den Prager Frühling 1968 ergänzt. Das Buch liefert somit auch einen Beitrag zur Kulturgeschichte der Politik im Kalten Krieg.
Es wird argumentiert, dass die Anerkennung der Menschenrechte als Grundnorm in den 1970er Jahren ohne die Etablierung einer Menschenrechtssprache in den 1960ern nicht möglich gewesen wäre.
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5. Die Performanz der Menschenrechtsargumentation

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5.  Die Performanz der Menschenrechtsargumentation

Das letzte Kapitel der Arbeit widmet sich der Frage nach der performativen Nutzung von Menschenrechtsargumentation innerhalb einer politischen Sprache der Moral. Nachdem in den letzten beiden Kapiteln vor allem der ideologischen und inhaltlichen Reichweite der Menschenrechte als Steuerungsinstrument außenpolitischer Akteure für politische Zwecke nachgegangen wurde und aufgezeigt werden konnte, welche unintendierten Effekte sich aus der Veränderung weltpolitischer Lagen für gesellschaftliche Topoi ableiteten, soll nun in diesem Kapitel gefragt werden, welche Erfahrungs- und Erwartungsmomente sich mit den Menschenrechten in den Reden der politischen Akteure verbanden. Drei Spuren wird in diesem Kapitel gefolgt. Zunächst werden symbolische Sprachhandlungen sowie Sprechakte analysiert, welche die Menschenrechtsargumentationen im Untersuchungszeitraum begleiteten. Hier sind verschiedene Formen von Deklarativa, Kommissiva und Direktiva zu nennen. Außerdem werden die Projektionsflächen der Sprachhandlungen untersucht. Dabei wird auf die Konstruktion der UNO sowie deren Charta und Menschenrechtsabkommen als Hoffnungsinstanzen der internationalen Politik geblickt. Zuletzt werden eigentümliche semantische Anleihen aus anderen Teilsystemen einer funktional differenzierten Gesellschaft außerhalb des politischen Systems verfolgt. Die Argumentation mit Menschenrechten unter performativen Gesichtspunkten hat vor allem im Teilsystem des Rechts und im Teilsystem der Religion Semantiken ausgeliehen, um gewissermaßen die vermittelten Sprachhandlungen zu verstärken.

5.1  Handlungsweisungen in der Menschenrechtsargumentation

Im Folgenden wird erläutert, welche illokutionären Rollen von Sprechakten sich mit der Menschenrechtsargumentation häufig verknüpften. Es wird darüber hinaus versucht, zu erklären, warum bestimmte Sprechakte häufiger bem...

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