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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Vorwort

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Der aufhaltsame Versuch, das „andere, bessere Deutschland“ zu sein I Als das Dritte Reich am 8. Mai 1945 endgültig kapitulierte, erwiesen sich all jene hof fnungsträchtigen Pläne, welche sowohl die Moskauer Exilgruppe als auch viele linksorientierte deutsche Exilpolitiker und -Schriftsteller im westlichen Ausland im Hinblick auf die Errichtung eines „anderen, besse- ren Deutschland“ entworfen hatten, als illusorisch.1 Schließlich waren sich die alliierten Siegermächte schon längst vorher einig geworden, Deutsch- land nach dem Krieg in vier Besatzungszonen aufzuteilen und diese ihren jeweiligen Militärbehörden zu unterstellen, um so zu verhindern, dass es in diesem Land abermals zum Durchbruch eines neuen, den Weltfrie- den bedrohenden Nationalismus kommen würde. Von einer „deutschen Nation“ oder gar einem „deutschen Reich“ war daher zu diesem Zeitpunkt in ihren Regierungskreisen keine Rede mehr. Selbst Stalin – enttäuscht darüber, dass es sogar während des Zweiten Weltkriegs von Seiten der Arbeiterklasse zu keinem ef fektiven Widerstand gegen das NS-Regime gekommen war – hatte inzwischen seine Pläne für eine gesamtdeutsche Regelung in Bezug auf das von den Nazifaschisten hinterlassene Restter- ritorium des Dritten Reichs aufgegeben und der Aufteilung dieses Gebiets in vier Besatzungszonen zugestimmt, welche durch das am 2. August 1945 beschlossene Potsdamer Abkommen endgültig besiegelt wurde.2 Und auch Clement Richard Attlee und Harry S. Truman waren als Vertreter Eng- lands und der Vereinigten Staaten wegen der horrenden Verbrechen der Nazifaschisten und ihrer Verbündeten, die über 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hatten, keineswegs gesinnt, den Deutschen...

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