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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Die Traktoren kommen

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Erwin Strittmatters Bauernkomödie Katzgraben (1953) I Die ersten Bemühungen, nach der Niederschlagung des Nazifaschis- mus der deutschen Literatur eine neue Zielsetzung zu geben, erfolgten in der Viermächtestadt Berlin. Hier gründeten bereits im Juni 1945 eine stattliche Reihe von im Dritten Reich verfemter Künstler, Vertreter der Inneren Emigration, ehemaliger KZ-Häftlinge, Widerstandskämpfer und erster Exilheimkehrer jenen Kulturbund zur demokratischen Erneu- erung Deutschlands, der sich unter der Leitung von Johannes R. Becher und Karl Hofer für eine ideologische Neuorientierung aller deutschen „Geistesarbeiteter“ in den vier Besatzungszonen einzusetzen versuchte. Im Bereich des Literarischen stand dabei anfangs das Hauptbemühen im Vordergrund, die Vertreter der äußeren und inneren Emigration, wie es damals hieß, miteinander zu versöhnen und möglichst umgehend zu einer ideologischen Einheitsfront zusammenzuschließen, die trotz der Viertei- lung Deutschlands am Konzept der untrennbaren Einheit der deutschen Kultur festhalten sollte. Ihren vielbeachteten Höhepunkt erlebten diese Bemühungen auf dem im Oktober 1947 in Berlin stattfindenden Ersten Deutschen Schriftstellerkongress. Doch schon bei dieser Tagung zeigte sich, dass solche Hof fnungen – wegen des inzwischen eingesetzten Kalten Kriegs zwischen den USA und der UdSSR – illusorisch waren. Und so kam es schon kurz darauf zu scharfen politischen Konfrontationen zwischen west- und ostdeutschen Autoren, die sich mehrheitlich den in der sowjeti- schen Besatzungszone bzw. den im westlichen „Trizonesien“ propagierten kulturideologischen Vorstellungen anschlossen. 42 Die Traktoren kommen In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) führte das zu folgenden Konsequenzen. Während man dort im Rahmen der vom Kulturbund zur...

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