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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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„Ihr zwingt mich ja, Weltliteratur zu schreiben“

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Heiner Müllers Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution an der Ostberliner Volksbühne (1980) I Nachdem die SED Heiner Müller für seine Szenenfolge Zehn Tage, die die Welt erschütterten 1957 den Anerkennungspreis des Kulturministeriums und für das Stück Der Lohndrücker 1958 den Heinrich Mann-Preis der Akademie der Künste verliehen hatte, verfuhr sie in den sechziger Jahren nicht gerade sanft mit ihm. Während ihn Walter Ulbricht im April 1958 noch neben Kuba, Anna Seghers und Erwin Strittmatter als einen der zukunftsträchtigen Autoren der DDR gelobt hatte, ja 1959 auf der Bit- terfelder Konferenz Müllers frühe Produktionsstücke als Beweise dafür anführte, dass auch die Gegenwartsdramatik die Bühne erobern könne,1 fand die SED-Parteileitung 1961 sein Stück Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande wegen gewisser kritischer Partien ausgesprochen „systemgefährdend“ und veranlasste darauf seinen Ausschluss aus dem ostdeutschen Schriftstellerverband. Dennoch bemühte sich Müller bis zum Ende der sechziger Jahre immer wieder, wenn auch zum Teil unter Decknamen, sein Leben als DDR-Autor mit kleineren Arbeiten für die DEFA, den DDR-Rundfunk und das DDR-Fernsehen sowie mit Bühnen- bearbeitungen fortzuführen. Von seinen eigenen Dramen wurde dagegen in diesem Zeitraum nur sein 1963/64 geschriebenes Produktionsstück Der Bau gedruckt, aber nicht aufgeführt.2 Erst nach dem Regierungsantritt Erich Honeckers im Jahr 1971, mit dem Müller in seinen frühen Jahren im Rahmen der Freien Deutschen Jugend (FDJ) einen guten Kontakt gehabt...

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