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Unerfüllte Hoffnungen

Rückblicke auf die Literatur der DDR

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Jost Hermand

Nach einem kurzen Abriss der DDR-Geschichte folgen in diesem Buch vierzehn Aufsätze, in denen in chronologischer Folge einige Zentralfragen der Literatur dieses Staats sowie ihrer Hauptautoren, darunter Bertolt Brecht, Erwin Strittmatter, Herbert Otto, Heiner Müller, Hermann Kant, Wolf Biermann, Alfred Wellm, Volker Braun und Christoph Hein, behandelt werden. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung, warum das anfängliche Bemühen durchaus sozialistisch eingestellter DDR-Schriftsteller, Wegbereiter eines «anderen, besseren Deutschlands» zu sein, später sowohl an den kaum zu überwindenden ökonomischen Schwierigkeiten als auch der allmählichen «Verwestlichung» dieses Staats scheiterte.

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Momente der Hoffnung

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Momente der Hof fnung Volker Braun und die „Wende“ von 1989/90 I Ich bade im Unermeßlichen, das mir verheißen Ist. Nie war ich so froh. Komm! ins Of fene, Freund! Von allen ostdeutschen Autoren gehörte Volker Braun sicher zu denjenigen, die sich am ungestümsten, drangvollsten für die Durchsetzung wahrhaft kommunistischer Zustände in der DDR eingesetzt haben. Allerdings ver- schaf fte er sich damit unter den Kulturfunktionären dieses Staats nicht nur Freunde. Im Gegenteil, jene alten SED-Genossen, welche in der Umwand- lung des früheren Privateigentums in Gemeinbesitz bereits die entscheidene Verwirklichung des Sozialismus sahen, sperrten sich energisch gegen alle darüber hinausgehenden Tendenzen, nun auch die kulturellen und mora- lischen Überbauverhältnisse in einem sozialistischen Sinne umzugestalten. Die Folgen dieser Politik – Bevormundung oder gar Zensur – sind bekannt. Und gerade Volker Braun hatte unter solchen Maßnahmen vielfach zu leiden, da er den älteren „Kulturverantwortlichen“ im Zentralkomitee der SED als viel zu „radikal“ erschien. Im Sinne ihrer Vorstellungen hatten diese Funktionäre natürlich Recht. Sie wollten nach langen Jahren des Kampfes, der Verfolgung, des Exils und der Entbehrung endlich in jener von Walter Ulbricht so gern beschworenen „sozialistischen Menschengemeinschaft“ angekommen sein – und nicht mehr ständig weiterkämpfen. Ein junger Autor wie Volker Braun, der nach dem Abitur erst als Dru- cker, Betonrohrleger und Maschinist gearbeitet hatte, bevor er von 1960 bis 1964 in Leipzig Philosophie studieren durfte und kurz darauf Dramaturg 246 Momente der Hof fnung am Berliner Ensemble wurde, verfügte...

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