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W.G. Sebalds «Nach der Natur»

Eine Analyse

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Andrea Fieler

W.G. Sebalds Nach der Natur. Ein Elementargedicht wurde 1988 mit sechs schwarz-weiß Fotografien des Münchener Künstlers Thomas Becker publiziert. Erst Sebalds spätere Werke Schwindel. Gefühle (1990), Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen (1992), Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt (1995) und Austerlitz (2001) erregten die Aufmerksamkeit der kritischen Öffentlichkeit. Jedoch handelt es sich bei Nach der Natur – im handwerklichsten Sinne – um das Meisterstück des Autors.
Dieses Buch setzt sich in einer konkreten und textnahen Betrachtung mit dem Gedicht Nach der Natur auseinander. Im speziellen hat es sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht, die unzähligen – teils versteckten, teils offensichtlichen – Hinweise, die Sebald in das Gedicht eingebaut hat, literarisch einzuordnen und zu erläutern. Die Analyse folgt dabei der Chronologie des Gedichts. Zusätzlich sind die sechs Bilder von Thomas Becker, die Teil der ursprünglichen Publikation von Nach der Naturwaren, hier reproduziert.
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4. Kapitel Sebalds Numerologie

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4. KAPITEL

Sebalds Numerologie

Die Philosophie ist geschrieben in jenem großen Buche, das immer vor unseren Augen liegt; aber wir können es nicht verstehen, wenn wir nicht zuerst die Sprache und die Zeichen lernen, in denen es geschrieben ist. Diese Sprache ist Mathematik, und die Zeichen sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren, ohne die es dem Menschen unmöglich ist, ein einziges Wort davon zu verstehen; ohne diese irrt man in einem dunklen Labyrinth herum. — GALILEO GALILEI, Saggiatore (1623)

Wenn man versucht, die Schönheit und Faszination des Gedichtes Nach der Natur auf einen Nenner zu bringen, dann ist es wohl die enorme Vielseitigkeit der Motive und Themen, die gleichzeitig durch ihre Konstruktion im Text eine Masse von unterschiedlichen (und manchmal widersprüchlichen) Interpretationen ermöglicht. Einige Literaturwissenschaftler, wie in der Einleitung dieser Arbeit bereits besprochen, sehen darin ein Negativum, und daraus lässt sich unter anderem erklären, warum die Sekundärliteratur bisher vor dem Gedicht zurückschreckte. Die Flexibilität des Textes kann jedoch, wie Deane Blackler es bereits in Reading W.G. Sebald. Adventure and Disobedience kunstvoll mithilfe eines Umwegs über Umberto Eco vorführte, ebenfalls als Positivum bewertet werden, das den Leser von der Autorität des Textes und Autors befreit und zur Teilnahme am Text durch die eigene Interpretation bewegt (227). Diese Überlegung scheint auch unter Berücksichtigung von Sebalds eigenen Vorstellungen über die Aufgabe des Lesers überzeugend. In History – Memory – Trauma ist...

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