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Zwischen Liebe, Verständigung und Hass: Die Darstellung religiöser Konflikte in der Literatur Galiziens (1848–1914)

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Lyubomyr Borakovskyy

Das Buch bringt religiöse Konflikte in der galizischen Literatur zur Darstellung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von literarischen Werken, die zwischen 1848 und 1914 entstanden, als Galizien noch «österreichisch» und durch eine große ethnisch-konfessionelle Vielfalt geprägt war. Zugleich stellt die Studie den Versuch dar, die literarische Deutung konfessioneller Beziehungen zwischen der römisch-katholischen, griechisch-katholischen und jüdischen Bevölkerung in Galizien unter Berücksichtigung ästhetisch-ideologischer und nationaler Perspektiven zu erforschen. Aus diesem Grund erfolgen Analysen deutschsprachiger, ukrainischer und polnischer Werke von Autoren mit unterschiedlichem ethnisch-konfessionellem Hintergrund.

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4 Geistlich vs. säkular. Antiklerikale Motive in der literarischen Darstellung eines religiösen Konflikts

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4  Geistlich vs. säkular. Antiklerikale Motive in der literarischen Darstellung eines religiösen Konflikts

Das gesellschaftliche Leben in Galizien erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Wandel, der durch entscheidende sozio-kulturelle Veränderungen bedingt war. Zu diesen zählten z. B. die Verbreitung von liberal-demokratischen und sozialistischen Strömungen in der Politik sowie die Entwicklung einer durch Rationalismus geprägten säkularen Wissenschaft. Auch die grundlegende Veränderung der Wirtschaftssituation, vor allem die rapide Industrialisierung um die Ölquellen von Boryslav und Umgebung, brachte einen massiven Einschnitt in die soziale Struktur mit sich, der u. a. in der Etablierung der neuen Klasse der Arbeiter zu sehen war.

Die Stellung der katholischen Kirche beider Riten zu diesen gesellschaftlichen Neuorientierungen war nicht eindeutig. Ihre Politik bestand in einer Art umsichtiger Versuche ihren bisherigen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben beizubehalten, aber sich gegen die aufkommenden Modernisierungstendenzen nicht zu verschließen. Daraus ergab sich der widersprüchliche Charakter der kirchlichen Politik in Hinsicht auf die zunehmende Modernisierung: Einerseits verhielt sich die Kirche kritisch bzw. skeptisch, da die zunehmende Säkularisierung des Bildungswesens und die Entwicklung einer neuen politischen und religiösen Pluralität die traditionelle Kirche aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängten und in Konkurrenz zu den Interessen der katholischen Geistlichkeit standen. Andererseits engagierte sich die Kirche selbst als aktiver Akteur der Modernisierung, indem sie z. B. verstärkt Volksschulen, Museen, Bibliotheken und Spitäler stiftete, diverse Zeitungen und Zeitschriften herausgab sowie verschiedene Vereine und Gesellschaften...

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