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Evolutionär orientierte Bioethik im Zeitalter der Life-Sciences

Einführung in die nichtmedizinische Bioethik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive

Bernhard Irrgang

Der Autor entwirft einerseits eine Bioethik für den nichtmenschlichen Bereich, die die naturwissenschaftliche Zugangsweise der Evolutionsforschung insbesondere ethologischer Art (Verhaltensforschung) mit der molekularbiologischen Rekonstruktion des Lebendigen verbindet. Er konkretisiert andererseits den Gerechtigkeitsgrundsatz einer Gleichbehandlung unter vergleichbaren Umständen. Dies geschieht mithilfe des empirisch modellierbaren Kriteriums anwachsender Komplexität der Möglichkeiten von Lebewesen zu intelligentem Sozialverhalten. Damit setzt er sich von den bisherigen utilitaristischen und anthropomorphen Kriterien wie Schmerzempfindungsfähigkeit, Glück, Lebenswillen, Interessen oder Tierwürde ab.

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2. Ökologisch relativierte Anthropozentrik: Tier-Mensch-Unterschiede und der Ansatz einer Bioethik

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2.  Ökologisch relativierte Anthropozentrik: Tier-Mensch-Unterschiede und der Ansatz einer Bioethik

“Sprache, Vernunft, Bewusstsein, Selbsterkenntnis sowie der Gebrauch von Werkzeugen galten lange Zeit als Eigenschaften ausschließlich des Menschen. Doch nicht nur der Mensch erbringt solche anspruchsvollen kognitiven Leistungen. Zahlreiche Tierarten weisen ebenfalls zumindest rudimentäre Vorformen dieser Qualität, die der Mensch als angeblich einziges Wesen hat. Der Mensch hat hinsichtlich Intelligenz und Geist seine Alleinstellung verloren, ein neues Bild des Menschen verweist dabei auf die graduellen Unterschiede zur Tierwelt. […] Schon im 16. Jahrhundert sprach sich Michel de Montaigne (1533–1592) für die Anerkennung des Menschen als Naturwesen aus, welches sich nur graduell von ihr unterscheide“ (Newen 2011, 70). “Was das Bild des Menschen und seine bezweifelbare Sonderstellung in der Natur angeht, wird die Diskussion zwischen Philosophen, Verhaltensforschern und Neurowissenschaften natürlich weitergehen. Doch die Fragen lassen sich präziser stellen als zuvor. Ist der menschliche Geist völlig in das Naturgeschehen integriert? Gibt es überhaupt Raum für einen freien Willen? Es scheint, als müssten wir uns der Herausforderung stellen, alle besonderen kognitiven Eigenschaften des Menschen als Teil und Produkt des Naturgeschehens zu verstehen. Das bedeutet keineswegs, den Menschen aus seiner Verantwortung für sein Handeln in der Gesellschaft entlassen. Die Betonung des Menschen als angeblich einziges Wesen, das über Geist und Intelligenz verfügt, bietet zugleich eine Chance, unser Verhältnis zu Tieren neu zu bestimmen" (Newen 2011, 75).

Entscheidend für die Bioethik ist letztendlich die Anthropologie...

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