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Danzig/Gdańsk als Erinnerungsort

Auf der Suche nach der Identität im Werk von Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle

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Joanna Bednarska-Kociołek

Danzig/Gdańsk war im 20. Jahrhundert mehrmals Schauplatz der Weltgeschichte: Hier brach der Zweite Weltkrieg aus und hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarnos´c´’. Die Autorin untersucht das literarische Bild der Stadt als doppelten Erinnerungsort bei Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle. Vergleichend arbeitet sie heraus, wie die Schriftsteller die kulturelle Diversität der Stadt vor dem historischen Hintergrund ästhetisch zum Ausdruck bringen und die identitätsstiftende Funktion Danzigs/Gdańsks literarisch diskutieren.

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I. Einführung

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Danzig ist ein Ort, an dem wie selten sonst so deutlich zu sehen ist, dass die Geschichte keine große, lange Aneinanderreihung von Ereignissen ist, sondern eine immer wieder zerrissene historische Kette, vielmehr noch eine Ansammlung unzähliger Kettenglieder. Es ist schwer, sie wieder aneinanderzusetzen – und warum auch? Wenn wir die Geschichte nicht als Leidenserzählung oder als Beweis für diese oder eine andere These, eines solchen oder eines anderen Besitzstandes betrachten, dann können alle diese Danziger Unterbrechungen, alle diese Kehrtwendungen, Umbrüche, Revolutionen und Zerstörungen zum Inhalt einer allgemeindanziger Identität werden: Danzig als Erinnerungsort und Denkmal des modernen Europas, als eine Stadt mit vielen Wunden, mit grellen Kontrasten und überraschenden Lösungen.1

Auf diese Art und Weise illustriert Peter Oliver Loew die Identität der Stadt Danzig / Gdańsk. Er unterstreicht, dass Danzig im 20. Jahrhundert mehrmals Achse der Welt war, obwohl die Stadt selbst einen provinziellen Charakter hatte. Hier brach der Zweite Weltkrieg aus, hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarność‘. Grundlage dieses Buches ist die Beschreibung des literarischen doppelten Erinnerungsortes Danzig / Gdańsk, für die die gleich genannte, authentische Stadt das Fundament bildet. ‚Doppelter Erinnerungsort‘ ist ein Begriff von Pierre Nora und beschreibt einen Raum, der für zwei Nationen, in diesem Fall Deutsche und Polen, gleichermaßen bedeutsam ist und eine symbolische Rolle spielt2. In der Kultur der Stadt Danzig / Gdańsk dominierte lange die Differenz anstelle der Gleichheit. Auf diesem geographischen Gebiet vermischten und...

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