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Danzig/Gdańsk als Erinnerungsort

Auf der Suche nach der Identität im Werk von Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle

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Joanna Bednarska-Kociołek

Danzig/Gdańsk war im 20. Jahrhundert mehrmals Schauplatz der Weltgeschichte: Hier brach der Zweite Weltkrieg aus und hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarnos´c´’. Die Autorin untersucht das literarische Bild der Stadt als doppelten Erinnerungsort bei Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle. Vergleichend arbeitet sie heraus, wie die Schriftsteller die kulturelle Diversität der Stadt vor dem historischen Hintergrund ästhetisch zum Ausdruck bringen und die identitätsstiftende Funktion Danzigs/Gdańsks literarisch diskutieren.

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VI. Paweł Huelle – Spuren der Vergangenheit

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1. Überblick über die Entstehung und Rezeption des Romans Weiser Dawidek

Vierundzwanzig Jahre nach der Veröffentlichung der Novelle Katz und Maus (1961) von Günter Grass erschien in Polen der Debütroman von Paweł Huelle, Weiser Dawidek, mit dem der Autor einen großen Erfolg hatte. Das Buch wurde von Kritikern und Lesern gut aufgenommen. Für die Schüler, die Weisers Schule besuchten, wurde das Buch zur Quelle der Suche nach der Vergangenheit. Sie suchten nach Weisers Spuren in Gdańsk777. Maria Jentys war eine der wenigen Kritikerinnen, die sich zum Roman kritisch äußerten. Sie behauptet, dass der Erfolg des Buches auf der sehr positiven Rezeption in der Presse basiere778. In der Tat bezeichnen die meisten RezensentInnen Weiser Dawidek als einen der wichtigsten polnischen Romane der 80er Jahre779. Das Werk erschien zu einer Zeit, die durch das Interesse an kleinen Regionen sowie durch die Entwicklung der lokalen Narrationen charakterisiert war780. Im Roman ist natürlich die Rolle der Heimatregion für die Identitätsbildung eines Menschen hervorgehoben, zugleich jedoch ist sein Charakter universell. Jadwiga Moroń bemerkt zum Beispiel, dass in Weiser Dawidek der Begriff der Freiheit im Zentrum steht, sowohl im politischen als auch im ← 193 | 194 → privaten Sinne781. Antoni Libera sieht in Huelles Text eine Entstehungsgeschichte und Morphologie des Mythos782. Viele Kritiker weisen darauf hin, dass Huelle sich als Autor auf das Geheimnis fokussiert783. Barbara Zielińska charakterisiert den Roman als Erörterung über Erkenntnis784. Er wurde u. a. von Jan B...

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