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Das Frankoprovenzalische in Italien, Frankreich und der Schweiz

Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit im Dreiländereck

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Heike Susanne Jauch

Das Aostatal, das Wallis und Savoyen sind nicht nur Teil des domaine francoprovençal, sondern sie verbindet auch eine gemeinsame Geschichte und Sprache: das Frankoprovenzalische. Die Studie untersucht den Sprachkontakt Frankoprovenzalisch–Italienisch–Französisch, für den sich nicht mehr von einer Diglossie sprechen lässt, sondern von einer Pluriglossie. Es handelt sich um eine vertikale und konvergente Sprachkontaktsituation. Die Autorin beschreibt die Sprachdynamik zwischen den drei Sprachen sowie den Status und die Vitalität des Frankoprovenzalischen anhand einer auf den Konzepten E. Coserius und Th. Stehls sowie auf empirischen Daten basierenden Analyse. Die empirischen Daten kategorisiert und analysiert sie mittels der Beschreibungsebenen Kompetenz der Variation, Pragmatik der Variation und Linguistik der Variation.

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10. Schlusssfolgerung und Ausblick

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10. Schlussfolgerung und Ausblick

10.1 Die Sprachsituation im Dreiländereck: Der Status des Frankoprovenzalischen im Aostatal, in Savoyen/Haute-Savoie und im Wallis

Das FP als eine von der langue d’oïl und langue d’oc unabhängige Sprache, die sich im 9. Jhd. sowohl im Aostatal als auch in Savoyen, der Haute-Savoie und dem Wallis herausgebildet hat, steht ab dem 14. Jahrhundert zusammen mit dem Französischen in einer Diglossie-Situation. In den untersuchten Gebieten befindet sich das FP heute nicht nur in Kontakt mit dem italienischen und französischen Standard, sondern ebenfalls mit dem italiano regionale, dem français régional und den ansässigen Dialekten: Es lässt sich somit nicht mehr von einer klassischen Diglossie sprechen, jedoch vielmehr von einer Pluriglossie, hervorgerufen durch vertikalen und konvergenten Sprachkontakt. Im Gegensatz zu Savoyen, der Haute-Savoie und dem Wallis, wo das FP mittlerweile als funktionelle Sprache fast vollständig aus dem alltäglichen Leben verschwunden ist, hat es im Aostatal einen hohen Stellenwert und spielt eine aktive Rolle unter den Valdostanern. Die politische Trennung ist in jedem Fall Realität geworden, die Gebiete sind in unterschiedliche Systeme integriert, wodurch es zu einer gesellschaftlichen Teilung kommt.

So wie sich keine Koiné des FP finden lässt, gibt es in den untersuchten Gebieten aufgrund des vertikalen Sprachkontakts zwischen Französisch, Italienisch und FP auch keinen reinen Basispatois mehr, sondern in den meisten Fällen ein FP mit zahlreichen französischen bzw. italienischen Interferenzen.

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