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Der Erste Weltkrieg in der australischen Geschichtskultur

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Fabian Münch

Der Autor untersucht die übergeordnete Rolle, die der Erste Weltkrieg in der «kurzen» Geschichte Australiens spielt. Dieser Krieg und der in seiner Folge entstandene Anzac-Mythos besitzen seit der Landung australischer Truppen auf der Gallipoli-Halbinsel am 25. April 1915 eine herausgehobene Stellung im Geschichtsbewusstsein vieler Australierinnen und Australier. Das Buch zeigt auf, wie sich dies in der Geschichtskultur des Landes manifestiert hat. Der Autor analysiert den diachronen Wandel der Objektivationen des Geschichtsbewusstseins (beispielsweise Gedenktage, Denkmale oder Filme) und ermöglicht so ein besseres Verständnis der Geschichte und Kultur Australiens.
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1. Einleitung und Forschungssituation

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1.  Einleitung und Forschungssituation

„Dulce et decorum est pro patria mori”1, behauptete der römische Dichter Horaz im ersten Jahrhundert vor Christus. Der Satz gehörte fest zum ideologischen Rüstzeug im „Krieg der Geister“, wie Wolfgang J. Mommsen den Versuch der kulturellen Eliten in den am Ersten Weltkrieg beteiligten Ländern bezeichnete, breite Teile der Bevölkerung zu ideologisieren, die Position der eigenen Nation zu rechtfertigen und die des Gegners zu delegitimieren.2 Vor allem an den Schulen fand er Verbreitung, und der junge Bert Brecht hätte sich beinahe einen Schulverweis eingehandelt, als er in einem Aufsatz Horaz’ Satz als „Zweckpropaganda“3 für „Hohlköpfe“ bezeichnete. Der englische Dichter Wilfred Owen, der 1918 an der Westfront fiel, führt in seinem Gedicht Dulce et Decorum est die Vorstellung von der Süße und Ehrenhaftigkeit des Todes auf dem Schlachtfeld ad absurdum, indem er den grausamen Tod eines Soldaten durch Giftgas beschreibt und seinen imaginären Adressaten der Lüge bezichtigt:

If in some smothering dreams, you too could paceBehind the wagon that we flung him in,And watch the white eyes writhing in his face,His hanging face, like a devil’s sick of sin,If you could hear, at every jolt, the bloodCome gargling from the froth-corrupted lungsBitten as the cud

Of vile, incurable sores on innocent tongues, –My friend, you would not tell with such high zestTo children ardent for some desperate glory,The old Lie: Dulce et decorum estPro...

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