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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Stefan Georges Ein Knabe der mir von Herbst und Knabe sang I: die Poetizität der verwendeten Sprache

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In poetischen Texten1 dominiert die von Jakobson benannte „poetische Funktion“: Die Fokussierung auf die Beschaffenheit des Textes, wobei die Aufmerksamkeit von Produzent und Rezipient auf die Äquivalenzen zwischen den Sprachzeichen im Text gelenkt wird (Jakobson 1960: 356–358). Das Augenmerk wird auf Parallelismen zwischen Elementen auf verschiedenen Sprachebenen (lexikalische, morphologische, syntaktische, phonologische bzw. phonetische Ebene) gerichtet, die in zahlreichen Fällen bedeutungstragend sind. Im komplexen Kommunikationssystem ,poetischer Text’ (Lotman 2002) muss der Rezipient die sinnstiftenden inter-, intra- und extratextuellen Äquivalenz- und Oppositionsbeziehungen herstellen. Da diese nicht explizit angegeben sind, ist der Text nicht eindeutig2. Ferner haben poetische Texte poetologischen Charakter. Es lassen sich in ihnen mindestens zwei Bedeutungsebenen unterscheiden, weil „das durch die Sprache Bedeutete (Personen, Situationen, Handlungen usw.)“ (Coseriu 1998: 161) Signifikant eines übergeordneten Signifikats ist.

Das George-Gedicht „Ein Knabe der mir von Herbst und Knabe sang I“ soll in diesem Beitrag als ein ‚poetisch‘ wahrgenommener Text vorgestellt werden, in dem Äquivalenz- und Oppositionsrelationen zwischen lexikalischen Elementen mit Hilfe einiger vom Autor eingefügten, intertextuellen Entsprechungen erkannt werden können. Tatsächlich bildete George sein Gesamt-Werk, das in die „Gesamt-Ausgabe“ mündete, indem er seine Bücher, Zyklen und Gedichte durch Parallelismen miteinander vernetzte. Letztere sind Erscheinungen einer Sprache, die sich als künstlicher Idiolekt3 des Dichters darstellt, und die die Herrschaft des Autors über sein Werk ausdrückt4. Zugleich sind sie Zeichen der Fokussierung ← 219 | 220 → auf die sprachliche Gestalt. Die Dominanz der poetischen Funktion und der poetologische Charakter der Gedichte5 sind wesentliche Punkte...

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