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Kartographien von Identität und Alterität in englischen Reiseberichten über die Neue Welt

1560–1630

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Sabrina Kessler

Im Zentrum dieser Studie steht die diskursive Konstruktion von Identität und Alterität in englischen Reiseberichten über die Neue Welt. Sie untersucht, wie in dieser hybriden Textgattung zwischen 1560 und 1630 das Andere und Fremde repräsentiert und funktionalisiert wird, wobei das Eigene stets als zentraler Bezugspunkt fungiert. In intensiven close readings betrachtet die Autorin zahlreiche Berichte über einige der berühmtesten englischen Reisen des Age of Discovery von John Hawkins, Martin Frobisher, Francis Drake, Walter Raleigh und John Smith. Anhand der jeweils spezifischen Signatur der Einzeltexte erstellt sie eine Kartographie des Anderen und Fremden in der englischen Reiseberichterstattung der Frühen Neuzeit über Amerika, die ebenso als eine Kartographie von Selbstbildern zu lesen ist.

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5 Sir Walter Ralegh und das verrückte Labyrinth am Orinoko

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Sir Walter Ralegh, einer der wohl bekanntesten sowie umstrittensten Höflinge und Günstlinge Königin Elizabeths I., gilt als „powerful stimulus“ (Winton 1975, 47) für Englands Kolonisierungsbestrebungen in der Neuen Welt. Erst in den 1570er Jahren unternahm England ernsthafte Versuche einer tatsächlichen Besiedelung in Übersee.317 Raleghs Halbbruder Humphrey Gilbert erhielt 1578 ein dementsprechendes Patent der Königin, das 1584 nach dessen Tod auf Ralegh überging. (vgl. Porter 1991, 8) Auf einer ersten Erkundungsreise unter Raleghs Patent, die Philip Amadas und Arthur Barlowe durchführten, sollte das Gebiet auf Roanoke Island sondiert werden. Das Ziel war die Errichtung einer festen Basis in Südamerika, von der aus Angriffe auf spanische Schiffe ermöglicht werden sollten. (vgl. ebd., 8)318

Nachdem dieser erste Besiedelungsversuch im Zeichen der Freibeuterei scheiterte,319 initiierte Ralegh 1587 eine zweite Expedition, die eine langfristige Kolonialisierung zum Ziel hatte. (vgl. Nicholls und Williams 2008) Im Zuge dessen entstand eine erste feste Kolonie auf Roanoke Island, die jedoch von Katastrophen heimgesucht wurde. Der Befehlshabende John White reiste daraufhin zurück nach England, um Unterstützung anzufordern. Aufgrund des anglo-spanischen Krieges und des Angriffes der Armada gelang es White jedoch erst im Jahr 1590 nach Roanoke zurückzukehren. Er fand die Siedlung verlassen vor, die daraufhin mit dem unrühmlichen Titel „The Lost Colony“ (Lacey 1973, 152) in die Geschichtsbücher einging. (vgl. Nicholls und Williams 2008)

Nach diesen Niederlagen in der Erschließung Amerikas und Jahren lediglich punktueller Attacken auf...

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