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Phonologische Diversität - Wechselbeziehungen zwischen Phonologie, Morphologie und Syntax

Emmerich Kelih

Der Autor untersucht Wechselbeziehungen zwischen dem Phoneminventarumfang und phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Eigenschaften. Der Phoneminventarumfang gilt als quantitativer Gradmesser für phonologische Komplexität. Diese hängt mit Fragen der Sprachökonomie, Kompensationstheorien und Selbstregulation sprachlicher Systeme zusammen. Nach einer kritischen Neubewertung derartiger Wechselbeziehungen plädiert er für eine statistische Modellierung, die konzeptuell auf synergetischen Sprachtheorien beruht. Die empirische Analyse slawischer Sprachen zeigt eine vorrangige Wirkung des Phoneminventarumfangs auf die phonologische Ebene selbst und eine multidirektionale Beeinflussung anderer sprachlicher Ebenen.

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2. Linguistische Relevanz des Phoneminventarumfangs

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2. Linguistische Relevanz des Phoneminventarumfangs

Eines der Ziele des folgenden Kapitels ist es, einen Einblick in die gegenwärtigen linguistischen Diskussionen zu geben, in denen der Phoneminventarumfang in der einen oder anderen Form eine Rolle spielt. Zu beginnen ist mit extralinguistischen Faktoren wie der Sprecherzahl, da diese mit dem Phoneminventar in einem Zusammenhang zu stehen scheint. Im Anschluss an den Überblick und die Herausstellung von Kritikpunkten und konzeptuellen Problemen der Postulierung derartiger Zusammenhänge sind einige theoretische Erklärungsversuche darzulegen, die sich mit der Frage auseinandersetzen, warum die Phoneminventare in den Sprachen der Welt eine so breite Streuung bzw. eine so hohe Diversifikation aufweisen. Immerhin kommt ein Großteil von Sprachen mit einem relativ geringen Phoneminventar von im Durchschnitt ca. 30 Phonemen (bei einer Zählung ohne Berücksichtigung von suprasegmentalen Eigenschaften) aus. Nach der Besprechung vornehmlich funktioneller Erklärungsversuche werden statistische Daten zur Häufigkeit von Phoneminventaren in ausgewählten Sprachen der Welt angeführt, die im Rahmen der an sprachlichen Universalien orientierten Sprachtypologie diskutiert werden, um einen Einblick in die empirische Bandbreite des Phänomens zu geben.

2.1 Phoneminventarumfang und Sprecherzahl: Zusammenhänge?

In der linguistischen und anthropologischen Literatur der letzten Jahre gibt es eine umfangreiche Diskussion zur Bedeutung des Phoneminventars in den Sprachen der Welt. Unter anderem vermeinte Atkinson (2011) in einem prominent in der Zeitschrift Science publizierten Aufsatz zur Frage des Sprachursprungs den „ultimativen“ Beweis für eine Entstehung der Sprache in Afrika gefunden zu haben....

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