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Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

Series:

Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

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Wem gehört die Geschichte? Aufgaben der „Public History“ als wissenschaftlicher Disziplin

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„Wem gehört Auschwitz“? Diese Frage hat vor gut 20 Jahren der ungarische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Imre Kertesz in der „Zeit“ gestellt. Anlass war eine Debatte um historische Genauigkeit und Humor in Spielfilmen über den Mord an den europäischen Juden im Anschluss an den Film „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni. Kertesz distanzierte sich zwar von den „ängstlichen“ Fragen der Überlebenden, ob die „Darstellung glaubwürdig, die Geschichte exakt“ sei, und von ihrer „Versessenheit auf die peinlichen – und peinigenden – Details“. Aber er kritisierte unnachgiebig den „Holocaust-Kitsch“ und eine damit einhergehende Entfremdung der „authentischen Erfahrung“ durch fiktionale Medienprodukte: Der Holocaust werde seinen „Verwahrern“ entwendet und durch „billige Warenhausartikel“ ersetzt. Den Überlebenden riet er, sich damit abzufinden, denn „Auschwitz entgleitet ihren (…) Händen“. Aber er fragte auch besorgt: „Wem wird es gehören?“1

Gehören ist hier nicht in einem materiellen oder juristischen Sinne zu verstehen, sondern meint den Anspruch von Überlebenden, die Bilder und Deutungen von Auschwitz in ihrem Sinne bestimmen zu können. Dieser Anspruch leitet sich, so Kertesz, aus der traumatischen Erfahrung der Überlebenden und ihrer Stellvertretung für die Ermordeten ab. Ihm stehen jedoch die tatsächliche Vielfalt an Deutungen von „Auschwitz“ und damit einhergehende symbolische Besitzansprüche entgegen, die mit dem Ort und seiner Nachgeschichte seit 1945 eng verbunden sind.2 Jonathan Webber hat diese ← 303 | 304 → konfliktive Deutungspluralität aus der Besonderheit des Ortes abgeleitet: „Die Einmaligkeit von Auschwitz (liegt) genau in der Tatsache begründet (…), alles zugleich...

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