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Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

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Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

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Das Historische Seminar der Universität Breslau 1811 bis 1945. Fachentwicklung – Personalstand – Forschungsschwerpunkte

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Das Historische Seminar der Universität Breslau 1811 bis 1945.

Fachentwicklung – Personalstand – Forschungsschwerpunkte

I.

Die Entwicklung einzelner Lehrstühle, Institute und Fächer an einer Universität ist ein komplexer Vorgang, der stets auch von überregionalen Entwicklungen und Planungen abhängt. Durch die Hochschulreformen in Preußen und anderen deutschen Staaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Konkurrenzsituation unter den Universitäten, die sich vor allem einem grundlegenden Wandel im Berufungsverfahren verdankte. Mit der seither zunehmenden Erteilung von Rufen an Dozenten auswärtiger Hochschulen wurden zugleich umfassende Berufungsverhandlungen notwendig, in denen nicht selten Entscheidungen über die Gründung oder Ausstattung von Seminaren und die Einrichtung neuer Planstellen fielen. Darüber hinaus schuf die wachsende Mobilität der Hochschullehrer, wie ein Blick auf die einzelnen akademischen Karrierewege zeigt, ein neues Beziehungssystem zwischen den Lehranstalten.1 Welchen Platz eine Hochschule dabei in der Rangfolgeordnung der Universitäten einnahm, hing freilich nicht nur von den fachspezifischen Bedingungen am Ort und der Attraktivität der Universität selbst ab, sondern auch und in nicht geringem Maße von deren geographischer Lage und dem intellektuellen und kulturellen Umfeld.

Für die große Mehrheit der Historiker, die in Breslau lehrten, war die 1811 gegründete Hochschule während des gesamten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine typische Einstiegs- und Durchgangsuniversität. In Briefen und autobiographischen Zeugnissen der Dozenten, die häufig nur wenige Jahre an der Universität blieben, finden sich vielerlei Belege, in denen...

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