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Räume der Romania

Beiträge zum 30. Forum Junge Romanistik

Series:

Edited By Corinne Fournier Kiss, Nadine Chariatte and Etna R. Krakenberger

Das Konzept des «Spatial Turn», in den 1980er Jahren durch Edward Soja geprägt, drückt das neue Bewusstsein aus, dass der Raum jeder Produktion von Wissen vorausgesetzt ist. Der vorliegende Sammelband knüpft an diese Bewegung von Wiederentdeckung und Aufwertung des Raumes an. Er bringt zum Vorschein, dass der Raum in der Kultur-, in der Literatur- und in der Sprachwissenschaft sowie in der Fachdidaktik immer einen wichtigen Platz eingenommen hat. Dafür greifen die Beiträge beispielsweise literarische Werke von Flaubert, Bassani, Petrarca, Moscona, Corneille, Góngora und Kundera auf, diskutieren Medien wie Film und Werbung und untersuchen Orte des Sprachkontakts und der Sprachentwicklung.

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Darstellungen des Raumes im abendländischen und romanischen Denken – Der Spatial Turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften (Corinne Fournier Kiss)

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Corinne Fournier Kiss

Darstellungen des Raumes im abendländischen und romanischen Denken – Der Spatial Turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften

1. Raum, Literatur und Kultur

1.1. Literaturkritik und Raum

In der Literaturkritik wurde dem Raum, namentlich der Darstellung des Raumes in literarischen Texten, bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Raum wurde zumeist als Hintergrund, Ausstattung oder Rahmen für die Geschichte betrachtet, der detailliert beschrieben werden konnte oder auch nicht – aber dem, im Gegensatz zur Zeit, keine wichtige Rolle im Fortgang der Handlung oder in der Entwicklung der ProtagonistInnen und kein Anteil an der Erzeugung der Bedeutung des Textes zukam. Dabei hatten sich schon die Autoren des Realismus und Naturalismus bemüht, in ihren Essays die Nützlichkeit ihrer räumlichen Beschreibungen hervorzuheben: Sie betonten, dass diese ein genaueres Bild des Protagonisten oder der Protagonistin zeichnen und deren Identitäten herausarbeiten: „Je définirai donc la description: un état du milieu qui détermine et complète l’homme“, „le personnage est un produit de l’air et du sol“ (Zola 1968, 1300). Diese Rolle wurde jedoch sehr lange von den Kritikern als nebensächlich angesehen: Wie Barthes feststellt, können wir diese Beschreibungen übergehen, ohne dem Schein nach das Verständnis des Textes zu beeinträchtigen.1

Wenn die Zeit als organisatorisches Prinzip des Textes betrachtet wurde, das die Handlung vorwärtsbringt, wurde dagegen dem Raum, der als etwas Starres und ein für allemal Gegebenes verstanden wurde,...

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