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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

Series:

Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Hamburgische und britische Dramaturgie der Komödie. Das Hamburger Theater im 18. Jahrhunderts als interkultureller Verhandlungsort

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1. Einleitende Bemerkungen zur Dramaturgie der Komödie

Mit der zeremoniellen Vertreibung des Harlekin durch die Schauspieltruppe der Neuberin 1737 in Leipzig war die Tonart bestimmt, in welcher der Diskurs über die Dramaturgie der Komödie zu führen war.1 Das heißt nicht, dass er leidenschaftlich geführt wurde. Gemessen an der ideologischen Grundsätzlichkeit, mit der die Debatten über die Tragödie und das bürgerliche Trauerspielgeführt wurden, fand eine Auseinandersetzung über die Dramaturgie der Komödie nur in begrenztem Umfang statt. Das mag am distanzierten Verhältnis des aufgeklärten deutschen Bürgertums zum Narrentum liegen, wie es Promies in seinem noch immer maßgeblichen Buch skizziert hat.2 Dieser Umstand erstaunt aber vor allem deshalb, weil die Situation auf der Bühne ganz anders aussah. Nicht nur gab es neben den Übersetzungen durch die Gottscheds in Leipzig – im Wesentlichen aus dem Französischen – und dem umfangreichen Übersetzungswerk Christian Heinrich Schmids ein ausreichendes paradigmatisches Angebot; später wurde in Preisausschreiben – z. B. in Hamburg – die Produktion eigener Komödien und die Übersetzung von Komödien – zunehmend dann aus dem Englischen – nachhaltig gefördert. Die Vertreibung des Harlekin, soweit sie überhaupt Folgen zeigte, deutet aber immerhin ein ernsthaftes Interesse des Theaters an der Komödie an. Und es zeichnen sich erste Profile ab: Das Derb-Komische, das auf Körperlichkeit und groteske Ausstellung des Zotigen und Bizarren angelegte Spektakel galt als verpönt, die französische comédie larmoyante und später die englische sentimental...

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