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Religion und Politik

Historische und aktuelle Konstellationen eines spannungsvollen Geflechts

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Edited By Jörg Dierken and Dirk Evers

Religion und Politik bilden seit jeher ein spannungsvolles Geflecht wechselseitiger Begründungs- und Abgrenzungsprozesse. Die in diesem Band versammelten Autoren beleuchten historische und aktuelle Konstellationen dieser Prozesse durch die Verschränkung von systematischen und historischen Perspektiven. So reicht die Spannweite der Beiträge von der Frühzeit des Christentums über die Reformation bis hin zu Schelling, Schleiermacher, Troeltsch und Barth, während gleichzeitig aktuelle Debatten u.a. zur Theologie in der DDR, zur Bedeutung der Menschenrechte, zum Konzept der inneren Führung und zur Flüchtlingsdebatte kritisch nachgezeichnet werden.

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„Die Sakralität der Person“: Hans Joas‘ Deutung der Menschenrechte – im Gespräch mit Ernst Troeltsch

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Jörg Dierken

„Die Sakralität der Person“: Hans Joas‘ Deutung der Menschenrechte – im Gespräch mit Ernst Troeltsch

Abstract The article examines Hans Joas‘ concept of “sacrality of person”, an explanation of the idea of human dignity. Hence, the discussion stresses forms of difference and negation in the concept of sacrality, living from the contrast to the profane sphere. These forms are leading to the counterfactual as a very basic element of all normativity.

I. Sakralität oder Fundierung durch Umwege

„Die Sakralität der Person“ lautet die kürzlich von Hans Joas geprägte Figur zur Beschreibung der Menschenrechte.1 In ihr verschränken sich mehrfache Umwege. Die Geltungsproblematik wird nicht auf dem Weg begrifflicher Begründung, sondern historisch über eine „affirmative Genealogie“ angegangen.2 Eine in weiterem Sinn an Kant anschließende Grundlegung der Menschenwürde und der daraus resultierenden Rechte wird auf Distanz gebracht. An deren Stelle tritt die Erzählung der neuzeitlichen Geschichte der ‚Sakralisierung der Person‘, in der sich verschiedene Entwicklungen in einem Geflecht von Werten, Praktiken und Institutionen verwoben haben. Darum führt die historische Genealogie für Joas nicht in historistische Relativität, für die exemplarisch Nietzsche steht.3 Das Narrativ dieser Genealogie integriert unterschiedliche kulturelle, religiöse und politische Bewegungen und ihre inneren Motive. Dazu zählen insbesondere die im Zeichen einer Charismatisierung der Vernunft gelesenen französischen und amerikanischen Revolutionen, die Transformation der Strafjustiz mit Abschaffung der Folter, die Ächtung von traumatisierender Gewalt infolge...

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