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Das Wechselmodell

Geltendes Recht und Reformbedarf

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Dragana Damljanovic

Einhergehend mit einem gewandelten Rollenverständnis von Mann und Frau und einem wachsenden Interesse von Vätern an der Kindesbetreuung wird eine Betreuung im sogenannten Wechselmodell für Eltern nach Trennung oder Scheidung zunehmend attraktiver. Bei diesem Arrangement betreuen die Eltern das Kind zu in etwa gleichen Anteilen. Während in vielen ausländischen Rechtssystemen das Wechselmodell gesetzlich verankert ist, fehlt im deutschen Recht eine einschlägige Regelung. Die Autorin widmet sich daher der Frage, ob sich die Kindesbetreuung im Wechselmodell mit den geltenden Vorschriften praktikabel umsetzen lässt oder ob Reformbedarf für den Gesetzgeber besteht. Dabei werden auch aktuelle sozialwissenschaftliche und psychologische Erkenntnisse berücksichtigt.

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Siebtes Kapitel: Betreuungsunterhalt beim Wechselmodell

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Siebtes Kapitel: Betreuungsunterhalt beim Wechselmodell

Auch auf den Betreuungsunterhaltsanspruch in Form des nachehelichen Unterhalts (§ 1570 BGB) und des Unterhalts von Unverheirateten (§ 1615l Abs. 2 S. 2–4 bzw. Abs. 4 BGB) kann eine Praktizierung des Wechselmodells Auswirkungen haben, welche an dieser Stelle nur angedeutet werden sollen. Betreuungsunterhalt wird dem betreuenden Elternteil gewährt, weil ihm aufgrund der Kindesbetreuung eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann.900 Eine Regelung für den Fall, dass beide Elternteile das Kind gleichermaßen betreuen, kennt das Gesetz nicht. Für den nachehelichen Unterhalt aus § 1570 BGB steht fest, dass nur ein Elternteil anspruchsberechtigt sein kann.901 Daher dürfte nur ein Unterhaltsanspruch des einkommensschwächeren Elternteils in Betracht kommen.902 Beim Betreuungsunterhalt von Unverheirateten können im Falle des Wechselmodells hingegen gegenseitige Betreuungsunterhaltsansprüche bestehen.903 Denn während für die Berechnung des nachehelichen Unterhalts die ehelichen Lebensverhältnisse maßgeblich sind, bemisst sich der Unterhalt aus § 1615l BGB nach den jeweiligen Lebensverhältnissen des Berechtigten (vgl. § 1615l Abs. 3 S. 1 BGB iVm. § 1610 Abs. 1 BGB). Sind jedoch zwei unterschiedlich hohe Bedarfe zugrunde zu legen, können auch beide Elternteile unterhaltsberechtigt sein.904 In diesem Fall ist eine Verrechnung der beiderseitigen Betreuungsunterhaltsansprüche vorzunehmen.905

Maßgebliche Bedeutung sowohl für den nachehelichen Betreuungsunterhalt als auch den Betreuungsunterhalt für Unverheiratete erlangt die Tatsache, dass die Eltern das Kind zu gleichen Teilen betreuen, bei der Beurteilung der Bedürftigkeit (§ 1577 BGB) und Erwerbsobliegenheit des anspruchsberechtigten Elternteils sowie der Leistungsf...

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