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Otto Freundlich (1878–1943)

Individualist im Netzwerk der Pariser Avantgarde – Das Frühwerk

Lena Reichelt

Die Autorin analysiert umfassend das Frühwerk des deutschen Künstlers Otto Freundlich (1878–1943). Dieser begann bereits während seines ersten Paris-Aufenthaltes 1908 eine eigenständige, nicht-gegenständliche Formensprache zu entwickeln, ohne sich wie zahlreiche seiner Zeitgenossen den vorherrschenden Kunststilen anzupassen oder unterzuordnen: «Ich habe […] nach meiner inneren Überzeugung geschaffen, die verlangte, von der Tradition abzugehen.» Anhand der Rekonstruktion seines Netzwerkes positioniert die Untersuchung den Künstler als selbstbewussten Wegbereiter der Abstraktion innerhalb der Pariser Avantgarde.

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2 Herkunft und künstlerische Anfänge: 1878–1908

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2 Herkunft und künstlerische Anfänge: 1878–1908

2.1 Familiärer Hintergrund

Geboren am 10. Juli 1878 in der Kleinstadt Stolp in Pommern, dem heutigen polnischen Słupsk, wuchs Otto Freundlich in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf.84 Seine Eltern, das Ehepaar Emil und Bertha Freundlich,85 waren wie zahlreiche andere jüdische Familien der damaligen Zeit in ihrem protestantisch geprägten, gesellschaftlichen Umfeld akkulturiert86 und angesehen. Otto Freundlichs Vater war als Mitglied der israelitischen Gemeinde des Ortes87 fest in das wirtschaftliche Leben der Gemeinde eingebunden. Er führte ein erfolgreiches Speditionsunternehmen, besaß ein Fuhrgeschäft und einen Landprodukthandel und war zudem Mitglied der ortsansässigen Handelskammer. Nicht nur seine Position als einer der bedeutendsten Unternehmer, sondern auch seine Berufung zum Ratsherrn des Ortes Stolp verdeutlichen den Grad der Assimilation und Integration der jüdischen Familie Freundlich im protestantisch geprägten Umfeld und erklären den Wunsch des Vaters, die Kinder im Sinne einer protestantischen Ethik zu erziehen,88 denn nach dem frühen←37 | 38→ Tod seiner Ehefrau Bertha,89 die bei der Geburt ihres Sohnes Waldemar im September 1879 verstarb, übernahm die Pfarrerstochter Clara Hintzmann die Erziehung der Geschwister.90 Neben einer strengen konfessionellen Erziehung legte der Vater in seiner Funktion als erfolgreicher Unternehmer und angesehener Bürger des Ortes großen Wert auf eine umfassende Bildung seiner Kinder. Wie sich Waldemar erinnerte, las die von ihm so benannte Pflegemutter den Geschwistern aus englischen und französischen Kinderbüchern vor, um bereits vor Schuleintritt die Sprachkenntnisse...

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