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Christliche Wissenssysteme und «Strategien des Übersetzens» im Missionierungskontext

Die Darstellung der tagalischen Religion im 17. und 18. Jahrhundert

Imke Rath

In ihrer Studie begibt sich die Autorin auf die Suche nach den Spuren einer vergangenen Religion aus den philippinischen Tagalog-Provinzen. Eine Verbindung von diskurs- und begriffsgeschichtlichen Ansätzen mit einer sprachwissenschaftlichen Analyse dient zur Untersuchung der kolonialen und postkolonialen Wissensproduktion und ermöglicht eine Neubewertung des lückenhaften Bildes, das von der Religion vorherrscht. Ziel ist es, exemplarisch den Mehrwert durch die Einbindung des Konzepts der Kulturellen Übersetzung und der «Area Studies» in die kulturhistorische Forschung aufzuzeigen. Am Ende der Studie steht eine neue Interpretation der einzelnen Bestandteile der tagalischen Religion, die als Grundlage für weiterführende Untersuchungen dienen soll.

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3.8.2 Loob als Wille

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3.8.2 Loob als Wille

Neben corazón dient loob oder Derivate davon als Übersetzung des spanischen Willens, voluntad. Dieser spielt besonders in der Erklärung der Fähigkeiten der Seele eine Rolle.1743 Amesquita zufolge befähige der freie Wille (loob) den Menschen dazu, sich angemessen zu entscheiden, Gott zu lieben und das eigene loob an ihm zu erfreuen.1744 Ortiz versteht den Willen (voluntad/loob) als Lieben und Ablehnen der Seele.1745 In beiden Erläuterungen ist die Verbindung, die loob auch mit corazón als dem Sitz der Gefühle hat, erkennbar. Bei Ortiz wird diese Nähe in der Aussage deutlich, im corazón/loob werde gerichtet, was richtig oder falsch sei,1746 denn diese Fähigkeit schreiben die anderen Autoren loob als voluntad zu. San Agustín und Totanes umgehen die Überschneidung, indem sie voluntad mit caloob oder calooban übersetzen, womit sie den Willen Gottes, des Papstes und den eigenen Willen, z. B. bei der Wahl des Ehepartners bezeichnen.1747 Ortiz verwendet caloob für den Willen der Seele und calooban für den Willen des Papstes, der Eltern, des Ehepartners oder den eigenen Willen bei der Ehepartnerwahl.1748 Nur der Wille Gottes ist bei ihm loob in nicht-affigierter Form.1749 In der Doctrina Christiana wird meiloob für den Willen (voluntad) haben, nicht wieder zu sündigen, verwendet, was sich aus dem Besitzanzeiger mei (heute may) und loob zusammensetzt. Die Verbalkonstruktion pinalolooban drückt dort etwas aus, das←389 | 390→ Gott gewollt habe.1750 Pinpin bezeichnet mit loob den Wunsch (und nicht...

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