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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Der Daimler und der Jabberwocky: Künstlerische Kritik und Kunst als Inspiration für Manager (Brigitte Biehl)

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Brigitte Biehl (SRH Hochschule der populären Künste hdpk)

Der Daimler und der Jabberwocky: Künstlerische Kritik und Kunst als Inspiration für Manager

Einleitung

Die Kunst dient als Spiegel der Gesellschaft, und so betrachten, reflektieren und verzerren auch Theatermacher die Wirtschaftswelt und ihre Protagonisten. Das Theater hat sich traditionell des großen Mannes angenommen und nicht nur Könige, sondern auch Kapitalisten und Kommunisten mal auf ihre Gier, mal auf ihren Geiz reduziert. Immer mehr aktuelle Entwicklungen auf den „Brettern, die das Geld bedeuten“ finden ihr Echo auf den Brettern, die die Welt bedeuten. In diesem Buchbeitrag werde ich eine Daimler-Hauptversammlung vorstellen, die das Regiekollektiv Rimini Protokoll mit Theaterzuschauern besuchte, um die Inszenierung von Wirklichkeit und die Wirklichkeit der Inszenierung zu erleben. Dies wird um die Diskussion eines gegenläufigen Trends ergänzt: Auch Manager wenden sich dem Theater, der Literatur und bildenden Kunst zu, um Denkweisen und Verständnismöglichkeiten zu erproben, die die herkömmliche Fachliteratur nicht ermöglicht. So kann die Lektüre des Nonsensgedichtes Jabberwocky (1872) von Lewis Carroll wirtschaftlichen Akteuren neue Perspektiven etwa auf Business-Sprache und andere Fiktionen in der Wirtschaftswelt eröffnen.

Wirtschaftliche Entwicklungen finden im Theater nicht nur auf der Ebene des Texts und des Inhalts ihren Widerhall, sondern, gerade beim Theater als performativer Kunst, auf der Ebene der Aufführung und ihres ästhetischen Erlebnisses. Die Performance und das ästhetische Erleben spricht nicht nur unser intellektuelles Verständnis an, sondern kann ein anderes...

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