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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Bilanzen lesen, literarisch. Buchführung und Lebensführung bei Gustav Freytag, Gottfried Keller und Thomas Mann (Daniel Cuonz)

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Daniel Cuonz (Universität St. Gallen)

Bilanzen lesen, literarisch

Buchführung und Lebensführung bei Gustav Freytag, Gottfried Keller und Thomas Mann

I)

Bilanz ziehen – von allen Redensarten, die aus der Fachterminologie der Wirtschaft in die Alltagssprache eingewandert sind, dürfte diese zu den bestetablierten gehören. Verwendet wird sie in geradezu verblüffender Selbstverständlichkeit, fernab von ihrer begrifflichen Herkunft und in durchaus grundsätzlichem Sinn. Erkundigt man sich etwa per Suchfunktion nach lieferbaren Büchern, die im Titel oder Klappentext eine Beschäftigung mit dem Themenfeld Bilanz und Bilanzierung ankündigen, erhält man neben den erwartbaren Hinweisen auf wirtschaftlich oder wirtschaftswissenschaftlich orientierte Publikationen auch eine beträchtliche Anzahl Treffer aus dem boomenden Segment der so genannten Lebenshilfe. Und dort geht es dann eben um diejenigen Dinge, die man bisher vielleicht nicht auf der Rechnung hatte, wie man sagt. Und um das, was wirklich zählt – unter dem Strich, sozusagen.

Was Alltagskultur und Alltagssprache allenthalben verraten, haben die Klassiker der modernen Soziologie freilich schon früh systematisch beschrieben. Max Weber sah in der Kulturtechnik der Buchführung bekanntlich die Grundlage für die allgemeine Rationalisierung des Lebens im und durch den Kapitalismus.1 Werner Sombart ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat gefragt, ob die Buchführung womöglich gar als Ursache des Kapitalismus zu betrachten sei.2 Und auch wenn Weber und Sombart die Einzelakzente unterschiedlich setzen, so sind sie sich doch einig darin,←133 | 134→ dass die...

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