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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 -Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 7

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Kulturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Kulinaristik: Kultur – Kommunikation – Küche». Darauf folgt die Sektion «Begegnungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und Asien», bevor die Sektion «Kulturdifferente Lehr- und Lernstile, nationalspezifische Wissenstraditionen und interdisziplinäre Methoden – wohin führt der Weg einer Germanistik als Fremdkulturwissenschaft?» dokumentiert wird. Die Sektion «Interkulturalität (in) der Wissenschaft» beschließt den Band.

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Gastmahle im Spätrealismus (Claudia Liebrand)

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Claudia Liebrand (Köln, Deutschland)

Gastmahle im Spätrealismus

Das Gastmahl als kulinarisches Fest verschaltet zwei Bereiche miteinander, von denen der eine gemeinhin der ‚Natur‘ (Nahrungsaufnahme resp. Reproduktion des Körpers), der andere der ‚Kultur‘1 (soziales Ritual, Sprachproduktion) zugerechnet wird. In den Blick genommen werden zwei spätrealistische Romane, in denen Nahrungsaufnahme und die Tischgespräche, die dabei geführt werden, zentral sind. Facettieren lassen sich bei beiden Autoren unterschiedliche Modelle. Raabe verschaltet mit dem Gastmahl Fragen der Macht (der Vielesser wird von ihm als Machthaber konzeptualisiert), und er rekurriert auf den Sündenfall, der Essen und Erkennen zueinander in Bezug setzt. Fontane geht es in seinen Gesprächen um die Generierung von Symbolisierungen und um Verhandlungen dessen, was sagbar ist – mithin um die Grenzen des Geschmacks.

Im Zentrum von Raabes Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte (1890) steht ein Tag, den Eduard, ein Besucher aus den Kolonien, bei seinem ehemaligen Schulkameraden Heinrich Schaumann verbringt: Schaumann ist die Titelfigur, aufgrund seiner Leibesfülle trägt er den Spitznamen „Stopfkuchen“. Schaumanns Ehefrau, Valentine geb. Quakatz, tischt ein reichhaltiges Mittagsmahl auf – und man verbringt den Nachmittag im Gespräch. Allerdings handelt es sich um ein Gespräch, das gezeichnet ist durch den monomanischen Redefluss der Titelfigur. Schaumann gestattet seinen Zuhörern allenfalls ein zustimmendes Nicken, kein „Wort und Widerwort“1 ist erlaubt. Schließlich wird Eduard von Schaumann in die Flucht geschlagen. Am Ende des Tages hat ihm der Freund seine Lösung eines Kriminalfalls pr...

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