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Geheimnisvolles Alsenviertel am Bundeskanzleramt

Helmut Zschocke

Der Ort des Bundeskanzleramts und die daneben liegende Grünfläche des Spreebogens verbergen ein Geheimnis. Sie bildeten das noble Alsenviertel. Dessen letzter steinerner Zeuge ist die Schweizer Botschaft. Viele prominente Persönlichkeiten haben hier gewohnt und gewirkt: Minister, Generäle, hohe Beamte, ausländische Botschafter, Großgrundbesitzer, Unternehmer, Ärzte und Künstler. Hier befanden sich außerdem der kaiserliche Generalstab und das NS-Innenministerium. Die Namen der Bewohner finden sich im Berliner Adressbuch. Aber erst zusätzliche Quellen erhellen die bemerkenswerten, teilweise unbekannten wechselhaften Schicksale so mancher Prominenter. Unter der NS-Herrschaft schlägt die Stunde des Alsenviertels – bereits im Frieden!

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8 Quartier für Parlament und Regierung

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Das historisch erste Instrument zur physischen Zerstörung des Alsenviertels ist nicht die Bombe, nicht die Granate, sondern – die Spitzhacke. Das Zertrümmern beginnt in Friedenszeiten.

Denn schon im Jahre 1950 will Adolf Hitler der internationalen Öffentlichkeit während einer Weltausstellung seine neue „Welthauptstadt“ präsentieren und diese bei gleicher Gelegenheit umbenennen. Aus „Berlin“ wird „Germania“.

Der Plan des Albert Speer

Kernstück des neuen Stadtgrundrisses ist ein Achsenkreuz. Dessen Schnittpunkt liegt gemäß den Planungen von Albert Speer, Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, wenige hundert Meter westlich vom Brandenburger Tor, dort, wo heute – nicht zufällig – das sowjetische Ehrenmal steht. Die Ost-West-Achse dieses Kreuzes nimmt den vorhandenen Straßenzug der Charlottenburger Chaussee auf, die indes wesentlich verbreitert wird.

Modell Große Halle

Die Nord-Süd-Achse stellt demgegenüber eine völlige Neuanlage dar. Ihr sieben Kilometer langer Mittelabschnitt – jetzt, im Planjahr 1938, noch von ← 199 | 200 → Tausenden Wohnungen, von Friedhöfen und vom innerstädtischen Eisenbahnnetz belegt – vereinigt alle wichtigen Staats- und Parteibauten, die Repräsentationsgebäude großer Wirtschaftsunternehmen, kulturelle Einrichtungen sowie verschiedene Denk- und Ehrenmäler.

Insbesondere ein Bauwerk der 120 Meter breiten Nord-Süd-Achse sprengt alle baulichen Größenordnungen. Wenn der „Führer“ Speers Germania-Modell besichtigt, verweilt er immer längere Zeit vor der „Großen Halle“. Sie steht direkt neben dem Reichstagsgebäude, das sich gegenüber dem riesenhaften Nachbarn wie eine Hundehütte ausnimmt. Der Kuppelbau mit quadratischem Grundriss ist mit...

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