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Das Hohelied im Konflikt der Interpretationen

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Edited By Ludger Schwienhorst-Schönberger

Das Buch analysiert kritisch den vorherrschenden Konsens, das Hohelied (Canticum) als Sammlung profaner Liebeslieder zu verstehen. Intertextualität und Rezeptionsästhetik lassen das traditionelle metaphorisch-religiöse Verständnis des Buches in einem neuen Licht erscheinen. Die altorientalische Liebeslyrik liefert weitere Argumente für diese offene Sicht. Ob das allegorische Verständnis des Hoheliedes als Ausdruck der Liebe zwischen Gott und Israel der ursprünglich intendierten Bedeutung entspricht, bleibt umstritten. Die Beiträge der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen katholischen Alttestamentlerinnen und Alttestamentler im Jahre 2015 in Wien vermitteln einen lebendigen Eindruck von der neu aufgebrochenen Diskussion.

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Der messianische Bräutigam: Zur Hohelied-Rezeption im Johannesevangelium (Andrea Taschl-Erber)

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Andrea Taschl-Erber, Graz

Der messianische Bräutigam

Zur Hohelied-Rezeption im Johannesevangelium

Abstract: The Fourth Gospel displays an intertextual reading which brings the Song of Songs in dialogue with other texts from the Hebrew Bible and generates new meanings due to their messianic interpretation.

Im ältesten patristischen Hld-Kommentar, welcher unter dem Namen Hippolyts überliefert wurde,1 wird Hld 1,2 wie folgt erläutert: „Dies ist ein Bild des Volkes (scil. Israels), das bittet das himmlische Wort es zu küssen“2. Hier scheint die joh Logoskonzeption durch. Schon in der Einleitung zum Kommentar identifiziert Hippolyt das (mit der Weisheit gleichgesetzte) „Wort“ mit Christus.3 Gemäß seiner Hermeneutik werden die ans Licht zu hebenden „Geheimnisse offenbart […] in Gleichnissen“4.

Ebenfalls noch in der ersten Hälfte des 3. Jh. eröffnet Origenes den Prolog zu seinem Hld-Kommentar:5 ← 323 | 324 →

Epithalamium libellus hic, id est nuptiale carmen, dramatis in modum mihi videtur a Solomone conscriptus, quem cecinit instar nubentis sponsae et erga sponsum suum, qui est Sermo Dei, caelesti amore flagrantis.6

Gegenüber der im Dialog mit der rabbinischen Exegese stehenden7 Deutung der weiblichen Figur auf Israel (bzw. die Synagoge)8 in Hippolyts Kommentar bezieht Origenes die „Braut“ auf „die Seele, die nach seinem Bild geschaffen ist, oder die Kirche“9. Darauf am Beginn seines Kommentardurchgangs zurückkommend, bezeichnet Origenes Christus expressis verbis als Bräutigam:

Spiritalis vero intelligentia, secundum hoc nihilominus quod...

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