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Zum Politischen der Dramatik von Thomas Bernhard und Peter Handke

Neue Aufteilungen des Sinnlichen

Christine Hegenbart

Diese Studie untersucht systematisch die politische Dimension der Dramen von Thomas Bernhard und Peter Handke. Obgleich beide Autoren als Provokateure und Skandal-Inszenatoren gelten, deren öffentliche Auftritte wie Werke heftige Debatten auslösten, fehlt bisher eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der politischen Dimension. Die Autorin schließt diese Forschungslücke mit Hilfe der Theorie des französischen Philosophen Jacques Rancières. Davon ausgehend untersucht sie die politischen Strukturen in ausgewählten dramatischen Werken sowie die Positionierung der Texte in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext.

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3. Thomas Bernhard und Peter Handke – Politische Dramatiker mit Rancière!

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Die politische Dimension der österreichischen Dramatik ist aufgrund des Streits um das Politische in der Kunst nicht einfach zu fassen. Ein sinnvoller Angriffs- punkt ist es, das Politische des Theaters im Theater selbst zu verorten, das heißt in der Schnittmenge, die es ohnehin zwischen Politik und Kunst gibt. Interpretiert mit dem Konzept der Aufteilung des Sinnlichen und der Identifikationsregime der Kunst von Jacques Rancière sind die eben analysierten sechs Theaterstücke von Thomas Bernhard und Peter Handke auf verschiedenen Ebenen politisch. Die folgenden Ausführungen geben zum einen eine kursorische Zusammen- fassung der vorangegangenen Analyseergebnisse. Zum anderen werden die drei eingangs aufgestellten Thesen an jeweils einem Stück von Bernhard und Handke überprüft. Thomas Bernhards und Peter Handkes Dramatik wird abgelehnt Zu Beginn ihrer dramatischen Karrieren Mitte der 60er-Jahre hatten beide Au- toren ein spannungsgeladenes Verhältnis zum literarischen und politischen Feld Österreichs. Der Stillstand der großen Koalition trug dazu bei, dass das extrem konservative und rückständige, kulturelle Klima wenig Erneuerung zuließ. Die Nationalbühne, das Burgtheater, und die zweite bedeutende Theaterinstituti- on, die Salzburger Festspiele, galten als „Hort[e] der Repräsentationskunst“1175. Sie standen moderner Kunst wie der von Thomas Bernhard und Peter Hand- ke nicht offen gegenüber. Den Theatern wurde von Politik und Gesellschaft traditionell eine identitätsstiftende bzw. eine vermittelnde und repräsentative Funktion zugeschrieben. Der Theaterbesuch galt als öffentliches Ereignis mit großem Ritualcharakter. Bühnenwerke hatten im positiven Sinne „erkennbare Situationslogiken an[zubieten], damit man sich in...

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