Show Less
Restricted access

Musik und die Ordnung der Dinge im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

Series:

Karsten Mackensen

Die «Musica» ist in Weltvorstellungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oft nicht nur ein Bestandteil des Wissens neben vielen anderen, sondern stellt ein übergeordnetes Ordnungsprinzip dar. Erstmals untersucht dieses Buch die genaue Stellung von Musik innerhalb der universalen Ordnung der Dinge, wie sie sich in enzyklopädischen Texten auch jenseits des fachdisziplinären Diskurses darstellt. Anhand zentraler Leitthemen wie Produktivität, Kombinatorik und Kosmologie führt die Untersuchung von der mittelalterlichen Logik Ramon Llulls über zahlreiche Stationen bis hin zur Weltkonzeption Athanasius Kirchers. Noch im 17. Jahrhundert, so wird deutlich, kann die Rolle der Musik nur vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirksamkeit mystischer, magischer und kosmologischer Denkweisen verstanden werden.

Show Summary Details
Restricted access

Enzyklopädik und Musik

Extract



Einheit und Vielfalt

Um eingehender zu untersuchen, wie der Konnex zwischen spezifisch musikalischen und allgemeinen Modellen von Struktur, Ordnung und Sinnzusammenhang der Welt am Beispiel frühneuzeitlicher, nicht disziplinärer Texte in enzyklopädischen Wissenskontexten begriffen werden kann, lohnt es sich einige Überlegungen dazu anzustellen, was genau unter Enzyklopädien eigentlich zu verstehen ist und welche besonderen Funktionsweisen und Charakteristika sie überhaupt für eine solche Fragestellung prädestinieren.

Das lebhafte Interesse für die Gattung seit mehr als einem guten Dezennium hat zu einer Vielzahl von Befunden und Ansätzen geführt, die einerseits erhellende Klärungen bezüglich Textstatus, Funktion und historischem Wandel, nicht zuletzt aber vor allem zur wissenssoziologischen Einordnung geleistet haben, die andererseits auch mit aller Deutlichkeit die Tendenz zu jener Heterogenität des Feldes mit jeder neuen Fallstudie beinahe schmerzhaft verdeutlicht haben, die simplifizierende Vereinheitlichungen und reduktionistische Modelle in ihre Schranken weisen. Mit anderen Worten: Je mehr wir über Enzyklopädien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit wissen, desto unklarer scheint mitunter zu werden, was die Einheit der Gattung ausmacht – ja, ob von einer solchen Gattung überhaupt gesprochen werden kann. Enzyklopädien lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Praktisch keine Enzyklopädie ist wie die andere; eine konsistente Vorstellung über derartige Texte scheint historisch erst da vorzuliegen, wo eigentlich eine systematische Ordnung gar nicht mehr angestrebt ist, also in den alphabetisch sortierten enzyklopädischen Lexika der Neuzeit, die höchstens als Schwundstufen frühneuzeitlicher Enzyklopädik zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.