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Musik und die Ordnung der Dinge im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

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Karsten Mackensen

Die «Musica» ist in Weltvorstellungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oft nicht nur ein Bestandteil des Wissens neben vielen anderen, sondern stellt ein übergeordnetes Ordnungsprinzip dar. Erstmals untersucht dieses Buch die genaue Stellung von Musik innerhalb der universalen Ordnung der Dinge, wie sie sich in enzyklopädischen Texten auch jenseits des fachdisziplinären Diskurses darstellt. Anhand zentraler Leitthemen wie Produktivität, Kombinatorik und Kosmologie führt die Untersuchung von der mittelalterlichen Logik Ramon Llulls über zahlreiche Stationen bis hin zur Weltkonzeption Athanasius Kirchers. Noch im 17. Jahrhundert, so wird deutlich, kann die Rolle der Musik nur vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirksamkeit mystischer, magischer und kosmologischer Denkweisen verstanden werden.

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Koinzidenz und Kombination – Nikolaus von Kues

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Universaler Symbolismus

Es ist der universale Symbolismus, den Nikolaus von Kues in seiner Llull-Lektüre ins Zentrum stellt, und damit der gleichermaßen mystisch-magische wie rationale Ordnungsaspekt, der ja insgesamt ein wesentliches Moment der Anschlussfähigkeit Llulls für das Denken der Frühen Neuzeit darstellt. Cusanus exzerpierte insgesamt 26 Werke von Llull, vor allem während seines Pariser Aufenthalts 1428 – aus bereits benannten Gründen allerdings nicht aus der Universitätsbibliothek, sondern aus den Beständen der Chartreuse de Vauvert. 15 Werke hat er ausführlich annotiert.303 Entscheidend für die Vermittlung lullschen Gedankenguts war der niederländische Theologe Heimeric van de Velde (Heimericus de Campo), Professor an der Universität Köln seit 1421 und Lehrer Cusanus’ in den Jahren 1425 und 1426.304 Wichtige Aspekte des philosophischen Denkgebäudes Nikolaus’ sind ohne den direkten oder vermittelten Einfluss lullscher Philosopheme, Figuren und Strukturüberlegungen nicht denkbar. Musik wiederum stellt, nicht nur in diesen Kernbereichen, aber dort kaum zufällig in besonderem Maße, eine bedeutende konzeptuelle Komponente dar. Dieser Umstand wird später, vor allem im 17. Jahrhundert, die intensive Anknüpfung an musiko-philosophische Modelle des Cusaners befördern. Sowohl für Nikolaus’ Llull-Aneignung als auch für seine Integration musikalischer Konzepte gilt aber ein sehr hohes Maß an individueller Auslegung und Anpassung, das mit einer Darstellungsform einhergeht, die weniger an Definitionen als an einer Form der integrativen Verwebung in komplexe Ideen-Zusammenhänge interessiert ist.

So ist es nachvollziehbar, dass eine konsistente Zusammenschau...

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