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Musik und die Ordnung der Dinge im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

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Karsten Mackensen

Die «Musica» ist in Weltvorstellungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oft nicht nur ein Bestandteil des Wissens neben vielen anderen, sondern stellt ein übergeordnetes Ordnungsprinzip dar. Erstmals untersucht dieses Buch die genaue Stellung von Musik innerhalb der universalen Ordnung der Dinge, wie sie sich in enzyklopädischen Texten auch jenseits des fachdisziplinären Diskurses darstellt. Anhand zentraler Leitthemen wie Produktivität, Kombinatorik und Kosmologie führt die Untersuchung von der mittelalterlichen Logik Ramon Llulls über zahlreiche Stationen bis hin zur Weltkonzeption Athanasius Kirchers. Noch im 17. Jahrhundert, so wird deutlich, kann die Rolle der Musik nur vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirksamkeit mystischer, magischer und kosmologischer Denkweisen verstanden werden.

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Lullismus und Methode – Johann Heinrich Alsted

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Eine neue Logik: der Ramismus

In der Mitte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Logik der Struktur des universalen Wissens eine Anregung, die sich als echte Erschütterung erweisen und zu einer nachhaltigen Veränderung in Wissensordnungen beitragen sollte, mithin ohne zu zögern als Paradigmenwechsel bezeichnet werden kann. Gemeint ist der sogenannte Ramismus, eine Konzeption von Logik (oder „Dialektik“, wie der gleichbedeutend verwendete Terminus lautet), die mit neuartiger methodischer Konsequenz alle Gegenstände des Wissens in meist dichotomen Verzweigungen kategorisiert, dabei konsequent deduktiv von allgemeinen Bestimmungen zu inhaltlichen Spezifika progredierend. Diese Erkenntnis- oder Denkform beeinflusste nicht zuletzt Inhalte und Darstellung von Musiktheorie im disziplinären sowie, wichtiger noch, im enzyklopädischen Diskurs.

Der wichtigste und einflussreichste enzyklopädische Text war in diesem Zusammenhang ausgerechnet der eines höchst regen Propagators lullistischer Logik und Kombinatorik. So verdanken wir Johann Heinrich Alsted, dem Herborner Theologen und Philosophen, unter anderem die Neu-Edition der gerade auch für das Verständnis von Musik im Lullismus wichtigen und ersten vollständig lullistischen Enzyklopädie von Bernard de Lavinheta, der auch, wie erwähnt, die erste Biographie Llulls verfasst hat. Alsted war der einflussreichste Lullist im deutschen Sprachraum.554 Zugleich diente Alsteds Encyclopaedia, in erster Fassung 1620 und dann erweitert 1630 erschienen, als Modell moderner Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts; so berufen sich etwa Diderot und d’Alembert auf ihn.555 Mit Alsted haben wir es ganz offensichtlich mit einer Umbruchfigur zu tun, die – hierin wohl vergleichbar mit Kircher – in besonderem Maße...

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