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Ehre auf Reisen

Die Hansetage an der Wende zum 16. Jahrhundert als Schauplatz für Rang und Ansehen der Hanse(städte)

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Maria Seier

Die Studie zeigt, wie hansische Tagfahrten durch Repräsentation und Zeremoniell zum Schauplatz von Rang und Ansehen wurden und sich die Kommunikation der Beteiligten um den Erhalt von Ehre drehte. Für Hansetage um 1500 liegen Reiserechnungen von Teilnehmern sowie Gesandtschaftsberichte vor, die das informelle Prozedere hansischer Verhandlungen beleuchten. Im Abgleich mit der Reichstagsforschung werden die begrifflichen Grundlagen gelegt, um dann auf Basis eines kommunikationsgeschichtlichen Zugangs die gegenseitigen Ehrenbezeugungen theoretisch zu fassen. Betrachtet werden Kleidung, Beherbergung, Spielleute, Ehrenweingaben, Gastmähler, Prozessionen und Sitzordnungen. Die Ehrsemantik bildete einen Orientierungsrahmen und sicherte in Zeiten schwach ausgebildeter Verfasstheit die Kohärenz nach innen sowie Wandelbarkeit in der politischen Kommunikation.

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2. Einleitung

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2.   Einleitung

Abstract – Introduction: Records of travel costs and the reports of delegates to the Hanseatic diets around the year 1500 shed light on the informal proceedings conducted at the political meetings. The records show how through forms of representation and ceremony the Hanseatic diets became demonstrations of the rank, honor and status of the cities that participated.

Der in der Hanseforschung für die Zusammenkünfte der Hansestädte üblicherweise verwendete Begriff „Hansetag“ kam unter den Zeitgenossen erst ab dem 16. Jahrhundert auf.1 Davor sprach man von Tagfahrten, zu denen sich ab Mitte des 14. Jahrhunderts Mitglieder der städtischen Räte als Delegierte der Hansestädte trafen, um über die anstehenden Angelegenheiten zu beraten und ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen, einen gemeinsamen Willen herzustellen.2 Aus der Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts haben sich bezüglich der Teilnahme hansestädtischer Vertreter an solchen hansischen Versammlungen Abrechnungen der Reisekosten sowie Gesandtschaftsberichte erhalten, aus denen sich zahlreiche Informationen zu Organisation, Ablauf und dem informellen Prozedere der Hansetage entnehmen lassen, die in dieser Weise aus dem ansonsten überlieferten Schriftgut hansischer Tagfahrten nicht zu erschließen sind. Auf dieser Grundlage ist es möglich, die Hansetage an der Wende zum 16. Jahrhundert nicht nur in ihrer Funktion als (handels-) politisches Entscheidungsgremium hervortreten zu lassen, sondern auch im Hinblick auf zeremonielle Verfahrensweisen zu beleuchten, wobei unter Zeremoniell eine festgesetzte Abfolge von vor Publikum vollzogenen förmlichen Handlungen zu verstehen ist, die in erster Linie auf Repräsentation...

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