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Kriminalität und Strafrecht in Kiel im ausgehenden Mittelalter

Das Varbuch als Quelle zur Rechts- und Sozialgeschichte

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Gwendolyn Peters

Die Studie befasst sich mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte Kiels im 15. und 16. Jahrhundert. Als Quelle gibt das Varbuch Aufschluss über vor Gericht verhandelte Fälle von Kapitalverbrechen. Aus dem Vergleich normgebender Rechtsquellen mit der Strafrechtspraxis ergibt sich eine andauernde gesellschaftliche Ungleichheit zu Gunsten vermögender und angesehener Personengruppen vor Gericht. Durch die Aufnahme von Ansätzen der Historischen Kriminalitätsforschung liegt erstmals eine sozialgeschichtliche Analyse des Varbuchs als Quelle zur Kriminalitätsgeschichte vor. In der Schichtspezifik von Straftaten sowie der sozialen Einbindung, Spezialisierung und Mobilität der Delinquenten äußert sich die Alltäglichkeit spätmittelalterlicher, städtischer Kriminalität.

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11. Zusammenfassung

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11.   Zusammenfassung

Das Varbuch ist ein Stadtbuch, das in der Zeit zwischen 1465 und 1546 auf Geheiß von Ratsherren unregelmäßig geführt wurde. Von den 68 Einträgen handeln 66 Fälle von Gerichtsverhandlungen über insgesamt 74 Angeklagte, denen Kapitalverbrechen zur Last gelegt wurden. Die Delinquenten wurden in Kiel vor Gericht gestellt, weil sie die Verbrechen entweder im Kieler Rechtsraum verübt hatten oder in selbigem aufgegriffen wurden.

Das Varbuch ist im 18. Jahrhundert von Bremer zu Beginn seiner Chronik für die Einträge B. 11–73 genutzt worden und wissenschaftlich bislang nur von Herrmann Luppe im ausgehenden 19. Jahrhundert vor allem in Bezug auf strafrechtsgeschichtliche Fragestellungen erforscht worden. Seine Ansätze wurden im Rahmen dieser Arbeit aufgegriffen und durch sozialgeschichtliche Aspekte ergänzt.

In Kiel war im Spätmittelalter der Rat die unangefochtene Obrigkeit für die Bürgerschaft gewesen. Dies begann sich während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter Christian I. durch die Verfügungen des Ripener Privilegs und der Kieler Tapferen Verbesserung zu Gunsten der Adligen zu ändern. Vor allem im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Herrschaft Friedrichs I., wurden holsteinische Adlige durch weitere Privilegien wie das Bedeprivileg oder die Patrimonialgerichtsbarkeit gefördert, wodurch letztlich auch deren Position in Kiel gestärkt wurde. Zudem übernahm der Stadtherr im 16. Jahrhundert selbst wieder Kompetenzen über die zuvor noch der Rat verfügt hatte, beispielsweise die Kontrolle über die Ämterordnungen. Als weitere Instanz...

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