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Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

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Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

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1.1 Zu Erwartung: Frau, auf ihr herausgerissenes Herz zeigend (1896/1902) von Edvard Munch

Die Zeichnung Frau, auf ihr herausgerissenes Herz zeigend von Edvard Munch (vgl. Abb. 5)1429 ermöglicht, sich durch die frontale Position der abgebildeten Frau in ebendiese hineinzuversetzen. Man sieht sich unmittelbar mit ihr konfrontiert. Depressiv, leblos hockt sie in dem unteren rechten Viertel des linken Bildes. Sie sitzt in einer weiten, düsteren, unklaren Landschaft und zeigt auf ihr blutendes Herz, das herausgerissen erscheint und in der zweiten Skizze rechts abgebildet ist.

Abb. 5: Edvard Munch: Frau, auf ihr herausgerissenes Herz zeigend (1896/1902), Gouache auf Papier, 25x36 cm (Privatbesitz, Verbleib unbekannt).

Landschaft und weite Haarpracht der Frau wirken aufgrund der Materialität der verwendeten Tusche wie Blutlachen, die wie über das Papier ergossen erscheinen. Im Gegensatz dazu stehen die durch Strichführung der Kreide bzw. des Grafits unterstützten hellen Flächen, die eher wie in das Papier eingraviert wirken. Beide Bereiche stehen im deutlichen Kontrast zwischen Hell und Dunkel. Die Landschaft wirkt als illustriere sie das innere Empfinden der Frau mit dem Gesichtsausdruck der düsteren Miene. Im halben Profil der Porträtansicht umrahmen lange Haare die Form des Gesichtes, welche der des Herzens entspricht. Wiederum wird ein Bezug hergestellt←471 | 472→ zwischen Äußerem, dem Gesicht und dem inneren Organ. Deutlich betont erscheinen die Augen in Angst weit aufgerissen. In einer zweiten Skizze ist das herausgerissene Herz stark abstrahiert, aber deutlich...

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