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Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

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Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

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1.4.3 Facetten und Vermittlungsaspekte

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1.4.3 Facetten und Vermittlungsaspekte

Die gewonnenen Erkenntnisse zu Facetten der Einsamkeit und Vermittlungsaspekten in Erwartung werden abschließend in komprimierter Form gebündelt dargestellt. Das Trauma vom Verlust eines geliebten Menschen gilt als archaischer Topos und ist als Erfahrungshintergrund dieses Monodramas vielen Menschen bekannt. Durch die Anonymität der ‚Frau‘ tendiert die Zeichnung dieser dramatischen Figur zu einem allgemeinen Identifikationsmuster und ermöglicht nicht allein die Betrachtung eines Einzelschicksals. Das Monodrama folgt dem radikalen Konzept eines ungebremsten expressiven Selbstausdrucks,628 so dass sich die verzweifelte Verlassenheit über ein musikalisch zum Ausdruck gebrachtes teils zärtlich-sehnsüchtiges, teils verängstigtes, aber auch rasendes Körpergefühl vermittelt. Damit bezeichnet „Arnold Schönbergs bühnendramatischer Erstling [zugleich…] die fortgeschrittenste expressionistische Position, ‚die Schönberg in seiner Entwicklung wohl überhaupt bezogen hat.‘“629 Im Umfeld der Entstehung formuliert er in den Jahren um 1910 das künstlerische Bedürfnis: „In Wirklichkeit gibt es für den Künstler nur ein Größtes, das er anstrebt: sich auszudrücken.“630 Dieses Statement Schönbergs ist geeignet, wie einige andere Zitate im Folgenden auch, Erkenntnisprozesse zu dem Stück hinsichtlich des künstlerischen Ausdruckskonzeptes Schönbergs zu vertiefen und auf seiner Grundlage Deutungsansätze zu formulieren.

1.4.3.1 Musikdramatische Momente psychischer Zusammenbrüche und das Gefühl des existentiell ‚Auf-sich-Zurückgeworfen-Seins‘

Einsamkeit vermittelt sich in diesem Monodrama in erster Linie in Momenten musikalisch-dramatisch dargestellter psychischer Zusammenbrüche (vgl. J. Stenzls Deutung, Ht. 2, Kap. 1.1.3.2). Extreme dynamische Gegensätze, pl...

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