Show Less
Restricted access

Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

Series:

Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

Show Summary Details
Restricted access

4.4.3 Facetten und Vermittlungsaspekte

Extract

4.4.3 Facetten und Vermittlungsaspekte

4.4.3.1 Mit dem Leben allein gelassen zu sein. Solipsismus, Sinnlosigkeit und die Krise des Selbstbewusstseins

Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Folgenden so gebündelt, dass Facetten der in Neither sublimierten Erfahrung und Bezüge zu Einsamkeit in didaktischen Situationen erschlossen werden können. Das Gefühl, mit dem eigenen Leben allein gelassen zu sein, kann zu den Erfahrungen heutigen Lebens zählen. Das Hinterfragen und Ausloten einer eigenen Position hinsichtlich Weltbildern, Ideologien und Normen ist eine ständige Anforderung an das eigene Leben in Folge postmoderner Ungebundenheit. Keine Antworten auf zentrale Lebensfragen zu erhalten oder selbst zu finden ist ein Problem in der Allgegenwart vielfältiger Lebensentwürfe (vgl. Ht. 1, Kap. 1.2). Die Möglichkeit, Erkenntnisse über sich und sein Verhältnis zur Welt zu gewinnen, wird grundlegend hinterfragt. Neither schließt an das Lebensgefühl einer existentiellen Verlorenheit an, das vielen Menschen im 21. Jahrhundert nicht fremd ist. Wenn Morton Feldman das Sujet des Monodramas im Umfeld dieses Alleinseins mit sich selbst ansiedelt (vgl. Ht. 2, Kap. 4.2.5), verweist er auf zentrale Facetten, die nicht allein reflektierende Zugänge ermöglichen. Höranalytische Annäherungen z. B. auch über ein Percept oder die musizierende, auch improvisierende Auseinandersetzung mit musikalischen Strukturen und Klangbildern unterstützen diese.

Eine Vermittlung des Stücks basiert auf der Auffassung vom Ausdruck einer absurden Befindlichkeit in einer musikalischen Tragikomödie des Geistes in der Tradition←442 | 443→ Samuel Becketts. Die Darstellung dieser pessimistischen Position...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.