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Erinnerungsimplantate – Der (Wieder-)Aufbau der Schlösser in Posen und Berlin im interdisziplinären Vergleich

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Edited By Dominika Gortych, Guido Hinterkeuser and Łukasz Skoczylas

Die interdisziplinäre Studie zu den (Wieder-)Aufbauprojekten des Berliner und Posener Schlosses verdeutlicht die unterschiedlichen Intentionen von Erinnerungsimplantaten. Die Autoren untersuchen die historische und kunstgeschichtliche Bedeutung der Schlösser mit Blick auf den Verlauf der Entscheidungsprozesse und der begleitenden Pressedebatten sowie schließlich auf die öffentliche Wahrnehmung der Bauten. Während das Berliner Projekt sich unter weitgehender Ausblendung der politischen zumindest ansatzweise auf die kulturelle Tradition Preußens beruft und als ein wichtiges Image-Projekt Deutschlands fungiert, hat das Posener fast ausschließlich eine lokale und politische Dimension, die nur im Kontext der Konkurrenz polnischer Städte um nationale Bedeutung zu verstehen ist.

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Resümee

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Das Ziel des hier dargestellten Forschungsprojektes war der Vergleich der Entstehungsprozesse zweier Erinnerungsimplantate. Die Schlösser in Posen und Berlin wurden, trotz grundsätzlich anderer Geschichte, zu markanten Beispielen einer gegenwärtigen Tendenz, Objekte zu bauen, deren Äußeres die historische Architektur nachahmt. So erwecken solche Neubauten den Eindruck, sie wären in alten Zeiten entstanden. Dies hat gesellschaftliche und politische Konsequenzen; es ist als Versuch zu deuten, sowohl die Erinnerungsgemeinschaften als auch die offizielle, von den Regierenden propagierte Interpretation der Vergangenheit zu beeinflussen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten interessante Unterschiede zwischen dem polnischen und dem deutschen Vergangenheitsdiskurs auf. Auch die Art und Weise, wie man in beiden Ländern das kulturelle Erbe verwaltet und in beiden Gesellschaften mit problematischen historischen Fragen umgeht, unterscheidet sich deutlich. Doch nicht nur Differenzen, sondern auch gewisse Ähnlichkeiten in den hier besprochenen Prozessen des Implantierens waren zu verzeichnen – unabhängig vom lokalen Kontext.

Unterschiede der Geschichte beider Schlösser implizierten Differenzen in der öffentlichen Auseinandersetzung mit den Prozessen ihrer Entstehung. Dass das Posener Gebäude als königliche Residenz diente, hatte keinen deutlichen Einfluss auf seine Verankerung im kollektiven Bewusstsein. Das königliche Schloss war zwar ein Symbol der königlichen Macht über die Stadt und der Sitz von deren Vertretern, doch es erlangte keine dauerhafte zentrale Stellung im mittelalterlichen polnischen Staatswesen der Piasten. Denn Posen fungierte, obwohl es relativ große Bedeutung in der Politik des mittelalterlichen polnischen Staatswesens besaß, nur eine kurze Zeit lang als dessen Hauptstadt. Daher...

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