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Kieler Meeresforschung im Kaiserreich

Die Planktonexpedition von 1889 zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit

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Lisa Kragh

Die Freiheit der Forschung stieß schon immer an gewisse Grenzen, wenn Wissenschaftler auf die Finanzierung ihrer Untersuchungen durch Dritte angewiesen waren. Neben persönlichen Netzwerken entschied in einer solchen Konstellation oft die subjektiv empfundene Nützlichkeit des Projekts über den Ausgang von Finanzierungsverhandlungen. Folglich gewann die Überzeugungskraft der ins Feld geführten Rechtfertigungsnarrative großen Einfluss auf die Realisierbarkeit kostspieliger Forschungsvorhaben. Am Beispiel der von Victor Hensen konzipierten Planktonexpedition von 1889 zeichnet diese Studie anschaulich die Genese einer erfolgreichen Legitimationsstrategie nach und konturiert die vorgebrachten wissenschaftsimmanenten, machtpolitischen und ökonomischen Motive sowie die Nachwirkungen der Expedition vor dem Hintergrund des Kaiserreichs.

Die Studie wurde mit dem Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ausgezeichnet.

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II. Die Planktonexpedition von 1889 im Kontext ihrer Zeit

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II.   Die Planktonexpedition von 1889 im Kontext ihrer Zeit

II.1   Vom „Philosophischen Dreck“ zur Urnahrung der Meere: Hensen und das Plankton

Vor einer Vielzahl von Kollegen und naturwissenschaftlich interessierten Laien zelebrierte sich Hensen in seiner Rede zum Stiftungsfest des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schleswig-Holstein im Jahr 1905 unumwunden als Entdecker der tiefgreifenden Bedeutung des Planktons:

„Es hat vor etwa 60 Jahren der ausgezeichnete Forscher Johannes Müller gefunden, dass man mit sehr dichtem Kätscher von der Oberfläche des Meeres eine Menge kleiner Tiere und Pflanzen fangen könne, die ein interessantes Formenstudium gewährten. Er bezeichnete diese Fänge scherzweise als „philosophischen Dreck“, weil eben nur Naturphilosophen darin Interessantes schienen finden zu können. Seit dieser Zeit haben sich sehr viele Forscher mit diesem Material beschäftigt, aber es steht, glaube ich, fest, dass dessen grosse, allgemeine Bedeutung erst durch mich erkannt worden ist.“49

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