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Entwicklungen des Buddhismus im zwanzigsten Jahrhundert in Indonesien

Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der «Agama Buddha (di) Indonesia»

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Julia Linder

Dieses Buch untersucht den schwierigen Prozess, den der Buddhismus in Indonesien bis zu seiner staatlichen Anerkennung als Religion (Agama) durchlaufen hat. Dabei illustriert die Autorin die Verknüpfungen von Religions- und Minderheitenpolitik am Anpassungsprozess des Buddhismus an den Rahmen einer theistisch ausgerichteten Verfassung. Seine Positionierung in der religiösen Landschaft Indonesiens erfolgte dabei vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen, einer geforderten Pancasila-Konformität und den Bedingungen des Religionsministeriums. Auch der Buddhismus muss, wie alle Religionen in Indonesien, einen Gott vorweisen. Die Protagonisten des Buddhismus haben innovativ auf diese Umstände reagiert. So entwickelte sich aus einer religionspolitischen Notwendigkeit eine facettenreiche Eigendynamik. Am Ende konfliktbehafteter Aushandlungsprozesse steht nun die Frage, ob es sich bei der «Agama Buddha (di) Indonesia» um den «Buddhismus in Indonesien» oder um einen «Indonesischen Buddhismus» handelt.

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1 Einleitung

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Der Buddhismus kam über den „maritimen Kulturtransfer“ im Zuge der sogenannten „Indisierung“1 bzw. „Hinduisierung“2 Südostasiens nach Indonesien. Zwischen dem 5. und dem 15. Jh. florierte der Buddhismus in einer Verflechtung mit hinduistischen-śivaitischen Elementen und deren Akkulturation entlang altindonesischer indigener Religionskonzepte auf Sumatra und Java. Nach dem Niedergang des letzten Reiches dieser hindu-buddhistischen Epoche (Majapahit im 15. Jh.) und der flächendeckenden Etablierung des Islams, erhalten sich Formen des Buddhismus in verschiedenen Enklaven über den Archipel verteilt3. Der Einfluss hinduistischer und buddhistischer Kultur in dieser Region ist für die frühe Religionsgeschichte und spezifische Entwicklung des heutigen Indonesiens bedeutsam. „Diese Bedingungen haben zu spezifisch indonesischen Ausprägungen nicht nur des Islam […] geführt. Auch der Buddhismus zeigt – je nach regionaler Verortung – unterschiedliche Gesichter.“4

Erst Ende des 19. Jh. findet die Geschichte des Buddhismus in Indonesien ihre Fortsetzung. Wobei man auch das nur mit gewissen Einschränkungen sagen kann. Chinesische Migranten brachten bereits Jahrhunderte zuvor ihre san jiao – ihre drei Lehren (Daoismus, Konfuzianismus und Mahāyāna-Buddhismus) – nach Indonesien. Neben dem Konfuzianismus und Daoismus wurde somit die chinesische Tradition des Buddhismus, d. h. des Mahāyāna, in der peranakan-Bevölkerung5 und unter den so genannten totok6 seit Jahrhunderten praktiziert. Der Buddhismus hat jedoch bis Ende des 19. Jh. nicht auf die anderen Teile der Bevölkerung übergegriffen. Eine Wieder(er)findung oder Revitalisierung eines indonesischen Buddhismus, BECHERT7 und FRANKE8 sprechen von einer ← 19 | 20 → Renaissance, BROWN9 von einem Revival10, findet seinen...

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