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Entwicklungen des Buddhismus im zwanzigsten Jahrhundert in Indonesien

Strömungen, Verwerfungen und Aushandlungen der «Agama Buddha (di) Indonesia»

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Julia Linder

Dieses Buch untersucht den schwierigen Prozess, den der Buddhismus in Indonesien bis zu seiner staatlichen Anerkennung als Religion (Agama) durchlaufen hat. Dabei illustriert die Autorin die Verknüpfungen von Religions- und Minderheitenpolitik am Anpassungsprozess des Buddhismus an den Rahmen einer theistisch ausgerichteten Verfassung. Seine Positionierung in der religiösen Landschaft Indonesiens erfolgte dabei vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen, einer geforderten Pancasila-Konformität und den Bedingungen des Religionsministeriums. Auch der Buddhismus muss, wie alle Religionen in Indonesien, einen Gott vorweisen. Die Protagonisten des Buddhismus haben innovativ auf diese Umstände reagiert. So entwickelte sich aus einer religionspolitischen Notwendigkeit eine facettenreiche Eigendynamik. Am Ende konfliktbehafteter Aushandlungsprozesse steht nun die Frage, ob es sich bei der «Agama Buddha (di) Indonesia» um den «Buddhismus in Indonesien» oder um einen «Indonesischen Buddhismus» handelt.

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2.5 Der Buddhismus auf dem religionspolitischen Parkett

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Das erste Kapitel nach der Unabhängigkeit geht 1965 zu Ende. Das politische Klima wird Mitte der sechziger Jahre immer heikler. Die NASAKOM-Politik (Nasionalisme, Agama dan Komunisme: Nationalismus, Religion und Kommunismus) von Sukarno gerät ins Wanken. Politische Konflikte entlang religiöser Zuschreibungen nehmen erneut zu. Als politische Maßnahme zur Unterbindung schwelender, potenziell aufbrechender Konflikte, wird 1965 die Gesetzeslage zur strafrechtlichen Verfolgung Andersgläubiger durch einen Präsidentenentscheid (präsidiales Dekret, Penetapan Presiden Republik Indonesia, im Folgenden wie im Indonesischen üblich als PNPS abgekürzt), zum „Schutz vor Blasphemie und Missbrauch von Religionen“437 weiter forciert. „This decree made it illegal to slander, interpret falsely or promote teachings which depart from the core teachings of any state sanctioned religion.”438

Mit der PNPS wird gleichzeitig das Strafgesetzbuch (Kitab Undang Hukum Pidana – KUHP) um den Paragraphen 156a erweitert, der die Zuständigkeit der Polizei für die Überwachung und strafrechtliche Maßnahmen in Bezug auf Missbrauch und/oder Blasphemie von Religionen im Gesetzbuch implementiert439.

Die Grundlage, auf der die Einführung der Religionsdelikte in das Strafgesetzbuch basiert, ist die erste sila ‚Ketuhanan yang Maha Esa‘ als ‚causa prima‘ des Pancasila-Staates. Das Grundgesetz von 1945 besagt im Artikel 29, dass der Staat auf die All-Eine Göttlichkeit gründet. Deswegen können die Verspottung und die Beschmutzung des Namen Gottes nicht ohne Bestrafung belassen werden. Mit der All-Einen Göttlichkeit als zentralem Kristallisationspunkt der Ausrichtung des Staates, ist das Delikt der Gotteslästerung als Blasphemie eine...

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