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Emotionen und Selbstreflexionen in den Romanen von Giovanni Arpino

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Lea Akkermann

Giovanni Arpino (1927–1987) bezeichnete sein Schreiben als «ricerca dell’umano», als eine «Erforschung des Menschlichen». Im Vordergrund steht dabei, was eine Figur fühlt und denkt. Diese Selbsteinschätzung des bisher kaum erforschten Autors fungiert als Lektüreschlüssel der Studie, die eine textnahe Funktions- und Darstellungsanalyse der in ausgewählten Romanen dargestellten Emotionen und Selbstreflexionen vornimmt. Die Verfasserin zeigt die handlungsgenerierende, subjektkonstituierende und identitätsstiftende Funktion von Emotionen, die sich in selbstreflexiven Prozessen abbildet. Emotionen und Selbstreflexionen dienen der Erstellung eines Psycho- und Soziogramms; perspektivierendes Erzählen und Sprachbilder ergänzen sich dabei auf Darstellungsebene gegenseitig.

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1. Einleitung

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Das lyrische Ich in diesem Gedicht von Giovanni Arpino (1927–1987) fühlt sich ergriffen vom Schmerz, der Licht in die Dunkelheit bringt und den Nebel verdrängt. Es liebt die von Qual getriebenen, gescheiterten und orientierungslosen Menschen. Die Frage nach der Bedeutung eines von ihr befreiten Lebens – „Cos’è la vita, senza un tormento“ – bleibt rhetorisch. Das lyrische Ich spricht der Qual im Leben des Einzelnen eine positive, die Identität prägende Funktion zu: sie erhebt den Menschen, befreit ihn und gibt den vagen, schwankenden Schatten seiner Existenz individuelle Konturen, dem Menschen ein Gesicht.

Inmitten der Trümmer des 2. Weltkriegs widmet sich der gerade einmal 19-jährige Giovanni Arpino dem Menschen, dessen Schmerzen und Qualen. Dieses frühe Gedicht lässt bereits erkennen, dass es der Mensch ist, der den Autor bewegt und bis zum Ende seines Lebens faszinieren wird. Nicht nur in der Lyrik, sondern auch in seinen Kurzgeschichten, Theaterstücken und vor allem in seinen Romanen beschreibt Arpino den Menschen der Gegenwart, erforscht ihn und beobachtet ← 13 | 14 → ihn dabei, wie er mit seinen Empfindungen umgeht. In seinen Texten beweist Arpino ein feines Gespür für sensible gesellschaftspolitische Themen seiner Zeit – die vielfach auch heute noch von Aktualität sind – und gestaltet Situationen, in denen die Figuren seiner Texte mit sich und ihrer Umwelt hadern. Er selbst bezeichnete sein Schreiben als eine „ricerca dell’umano“2, eine ‚Erforschung des Menschlichen‘; seine Texte haben das Ziel, die Eigenschaften, die das Menschliche, den Menschen...

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