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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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13. Otto Umfrid

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Ich glaube, daß überhaupt nie eine Partei – daß aber die Sache unseres Gottes siegen wird; er wird uns alle zu seinem Dienst brauchen, die einen mit, – die andern gegen ihren Willen. Daß ich aber in der Friedenssache auf der Seite meines Gottes streite, das ist meine heilige und unverbrüchliche Überzeugung. (Otto Umfrid 1898)1

Otto Umfrid (1857–1920), geboren in der südlich von Stuttgart gelegenen Stadt Nürtingen (Königreich Württemberg), entwickelte schon in jungen Jahren eine starke Abneigung gegen alles Militärische. Im Vater, einem Rechtsanwalt, dabei überzeugter Demokrat und Gegner jeglicher militärischen Disziplinierung, fand der junge Umfrid ein Rollenvorbild. Der Vater war es auch, der den Heranwachsenden mit der Philosophie von Karl Christian Planck (1819–1880) bekannt machte. Planck wollte Kriege durch eine internationale Rechtsordnung, in deren Zentrum die friedliche Konfliktregelung stehen sollte, überwinden. Als Endziel schwebte ihm eine internationale Staatengemeinschaft mit einer Weltregierung vor. Deshalb lehnte er auch die von Bismarck mit Waffengewalt erzwungene Einigung Deutschlands ab.2

Nach dem Theologiestudium in Tübingen (1875–1879) trat Umfrid sein erstes Pfarramt in der entlegenen Schwarzwaldgemeinde Peterzell-Römlinsdorf an. Dort engagierte er sich für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bauern und Landarbeiter.3 Zugleich begann er aber auch, der christlichen Friedensbotschaft mehr Platz in seinen Predigten einzuräumen:

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